Seit dem 30. Januar 2008 ist das Kunstforum im Besitz von mehr als 2.500 Grafiken und 14 Originalzeichnungen Daniel Chodowieckis sowie eine Handbibliothek zum Künstler. Durch den historischen Ankauf ist das Museum zu einer der wichtigsten Grafischen Sammlungen Chodowieckis und zugleich zu einer Anlaufstelle für die Chodowiecki-Forschung geworden.
Bedeutung des Ankaufs
„Mit der Erwerbung der kompletten Chodowiecki-Sammlung und ihrer Sicherung für künftige Generationen wurde ein absolut maßgeblicher Beitrag zur Bewahrung und
Erforschung ostdeutscher Geisteskultur geleistet. Dem Regensburger Museum wird ein Fundament von großer sinnlicher Anschaulichkeit gesichert und darüber hinaus
mit einem Schlag eine markante Erweiterung seiner bedeutenden Sammlungsbestände wie auch der Einzug in den Kreis großer grafischer Sammlungen in Europa ermöglicht“,
so Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin des Kunstforums.
Das Werk Chodowieckis
Chodowiecki ist der populärste Grafiker und Sittenschilderer der Epoche der Aufklärung. Er ist in jeder Hinsicht ein Grenzgänger. Zum einen weil er in biografischer
und bildnerischer Hinsicht die unterschiedliche Welten Deutschlands und Frankreichs miteinander verbindet. Vieler seiner Grafiken sind mit deutschen und französischen
Sentenzen versehen und richten sich so an alle „Bürger“ Europas. Zum anderen ist der Künstler auch einer der frühesten Grenzgänger zwischen zwei Epochen: In seinem
vielschichtigen Werk wird das absolutistische Rokoko durch das an die Vernunft des Menschen appellierende Gedankengut der Aufklärung bildnerisch radikal, aber humorvoll
abgelöst. Darüber hinaus kündigt es bereits die selbstzufriedene Bürgerlichkeit des Biedermeier an. Somit weist das druckgrafische Werk Chodowieckis bereits weit in
die Mitte des 19. Jahrhunderts voraus.
Die Sammlung
Die besondere Bedeutung der erworbenen Sammlung des Galeristen und Grafikforschers Jens-Heiner Bauer in Hannover besteht in ihrer annähernden Vollständigkeit und
der hohen Qualität der Radierungen. Ebenso hervorzuheben ist die Vielzahl an originären Zustands- und Farbdrucken sowie eine Vielzahl singulärer „Randeinfälle“ –
spielerische Bildideen, die der Künstler an den Rändern der Druckgrafiken mitradierte. Der Erwerb der Sammlung wurde durch die Auflösung der 1972 in Hannover
gegründeten Galerie des namhaften Chodowiecki-Experten ermöglicht, der im Juni 2007 überraschend verstarb.
Der größte Teil der Grafiken wurde bereits zu Lebzeiten des Künstlers zusammengetragen und gehörte Dohna-Schlobitten (1773-1845). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
die Sammlung eine Zeitlang im Berliner Schloss Charlottenburg aufbewahrt, bis sie 1981 von der Galerie Bauer erworben wurde. ehemals zum Besitz des im Preußisch
Holland beheimateten Burggrafen Willhelm zu.
Biografie Daniel Chodowieckis (1726, Danzig - 1801, Berlin)
Daniel Nikolaus Chodowiecki, der berühmteste Kupferstecher, Grafiker und Illustrator des 18. Jahrhunderts, wurde am 16. Oktober 1726 in Danzig geboren. Nach dem
Beginn einer kaufmännischen Lehre 1740 kam er 1743 gemeinsam mit seinem Bruder nach Berlin, wo er für das Geschäft seines Onkels Modeschmuck entwarf und seine
künstlerische Ausbildung erhielt. Etwa 1757 wandte sich Chodowiecki der Radierung zu, die er autodidaktisch erlernte. Seit 1782 engagierte er sich energisch für
eine Reform der Berliner Akademie, deren Direktor er 1797 wird.
Während Chodowiecki zu Beginn seiner Karriere als Illustrator von Almanachen und Kalendern tätig war, machten ihn seine späteren Kupferstiche weltberühmt.
Neben einer Reihe von wissenschaftlichen Büchern und Übersetzungen von Bestsellern des 18. Jahrhunderts illustrierte er zahlreiche Werke berühmter Zeitgenossen
wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller oder Gotthold Ephraim Lessing.
Das gesamte Oeuvre Chodowieckis umfasst etwa 2.040 Druckplatten. Dieses gewaltige Werk konnte der Künstler mit Hilfe einer Werkstatt bewältigen, in der einige
der besten Kupferstecher, Radierer und Miniaturmaler der damaligen Zeit mitgearbeitet haben.
Am 7. Februar 1801 verstarb Chodowiecki im Alter von 75 Jahren in Berlin und wurde auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde beigesetzt.
Präsentationen der Sammlung
„Kreativität pur! Das Beste der Chodowiecki-Neuerwerbung“
Referent: Dr. Roman Zieglgänsberger,
Leiter Grafische Sammlung.
Termine: Donnerstag, den 14. und 21. Februar 2008 jeweils um 18 Uhr.

