Malerei als Passion - aus diesem Urgrund trieben Leben und Werk des Grenzgängers und Irrläufers zwischen
Historismus und Moderne. Lovis Corinth war vor allem eines: passionierter Maler. Doch er hinterließ
1.200 Druckgraphiken und mehrere tausend Zeichnungen. Die existenzielle Spannung von Leidenschaft und
Leiden prägt auch seine Graphik. Mit ihr begleitet er die malerischen Aufbrüche vom naturalistisch
unterminierten Idealismus über die impressionistische Gegenstandsauflösung bis zum expressiven
Seelenausdruck. Sie ist Basis und Spiegel der Schlachten auf der Leinwand: Zeichnend bereitet der
akademische Maler seine Bilder vor, mit Kaltnadel und Lithokreide reflektiert er sie - und erreicht
konzentrierte Versionen in Schwarz-Weiß. Aus einer Schaffenskrise flüchtet Corinth 1892 in die Radierung;
hier kann er seine Fantasien bewältigen. 1908 und nach schwerem Schlaganfall 1911 erwacht das Interesse an
Kaltnadelradierung und Lithografie erneut; 1919 kommt der Holzschnitt hinzu; in den 20er Jahren erreichen
druckGrafische Zyklen ein großes Publikum.
Wie wenige andere Künstler war Corinth zutiefst persönlich von den Verflechtungen zwischen Sexualität und
Sterblichkeit, Lebenslust und Melancholie betroffen. Sein Lebensthema »Eros und Tod« markieren zwei späte
Zyklen: erotische Drastik in den illustrativen Farblithografien und Kreidezeichnungen zum »Venuswagen«
(1918/19) von Friedrich Schiller einerseits; als Gegenpol die Mappe »Totentanz« (1922): sechs
aufgerissene Blätter in Vernis-mou-Technik - individuelle Begegnungen des Künstlers, seiner Familie
und Freunde mit dem Tod. Was im 1919 nachradierten Gemälde »Salome« (1900) noch Drama auf der Bühne
der Bibel war, ist 20 Jahre und einen Weltkrieg später radikal in die eigene Gegenwart projiziert:
Kräfte des Lebens gegen die Macht des Todes. Corinth ging in seiner Kunst bis an Grenzen, um seine
metaphysische Angst zu bannen. So ist er neben Oskar Kokoschka und Max Beckmann zum großen Einzelgänger
der figurativen Moderne geworden.
Kostenlose Führungen im Juni am 4., 11., 18. und 25. jeweils um 15 Uhr. Treffpunkt: Museumskasse.








