
Reden über Kunst:
Politische Kulturen im Umbruch: Identitätssuche in Ostmitteleuropa.
Vortrag und Gespräch von und mit Prof. Dr. Gerd Mayer, Universität Tübingen
am Donnerstag, 5.10.2006, Beginn 20 Uhr
Die politischen Kulturen in Ostmitteleuropa erleben seit den friedlichen Revolutionen 1989/90 einen bisher nicht abgeschlossenen tief greifenden Wandel. Wertorientierungen, politische Einstellungen und Verhaltensweisen sind einerseits immer noch geprägt von den Erfahrungen der sozialistischen Zeit. Andererseits erfasst der gesamtgesellschaftliche Transformationsprozess mit seinen Erfolgen und Krisen, mit seinen sozialen Verwerfungen und politischen Polarisierungen auch das politische Alltagsbewusstsein und prägt die Bedingungen, unter denen Bürger und Künstler leben und arbeiten. Verunsicherung und das Streben nach ökonomischer Sicherheit, Legitimitätsdefizite der Politik und die Suche sozialem Zusammenhalt und moralisch-geistiger Neuorientierung bilden die Folie für die bisher noch unabgeschlossene Suche nach kollektiver und individueller Identität im Osten Europas. Der Vortrag wird diesen Widersprüchen der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in diesem spannungsvollen Prozess nachgehen.
Prof. Gerd Meyer lehrt seit 1977 an der Universität Tübingen, darüber hinaus im Rahmen von
Gast-Professuren in New York, Denver, St. Petersburg, Moskau, Warschau, Budapest und Seattle.
Der Lehrstuhlinhaber für Mittel- und Osteuropa, politische Kulturen und politische
Psychologie beschäftigt sich u.a. mit der vergleichenden Analyse der (postkommunistischen)
politischen Systeme Mittel- und Osteuropas (Polen, Tschechische und Slowakische Republik,
Ungarn). Er ist u.a. Träger des Internationalen Erich-Fromm-Preises und der Goldmedaille der
Universität Wroclaw/Breslau für die Verdienste um die Zusammenarbeit der Institute
(www.uni-tuebingen.de/ifp).
Der Vortrag findet aus Anlass der Themenausstellung "Grenzgänger. Die künstlerische
Identitätssuche im östlichen Europa" (22.9. bis 26.11.2006) statt und ist Teil des
Begleitprogramms.

