Grafische Werke aus der Sammlung:
ADOLF HÖLZEL. WEGE ZUR ABSTRAKTION.
Arbeiten auf Papier
"Eine Komposition sollte kein Komposthaufen sein."
Adolf Hölzel
"Verkannter Revolutionär", "behutsamer Avantgardist" - so und ähnlich lauten die Bezeichnungen
für Adolf Hölzel. In der Kunstgeschichte steht sein Name immer noch im Schatten Wassily
Kandinskys. Lange vor ihm aber gilt der in Mähren geborene Künstler heute als Wegbereiter
der Abstraktion. Fast unbemerkt vollzog sich seine Wandlung vom Realismus über den
Impressionismus zur Abstraktion. Doch der Weg verlief nicht gradlinig, immer wieder kehrte
Hölzel zur Gegenständlichkeit zurück.
Sein hervorragender Ruf als Kunsttheoretiker hatte ihm eine Professur an der Stuttgarter
Akademie eingetragen. Unorthodoxe Lehrmethoden und die Abkehr vom Gegenstand stießen aber
vor allem bei Kollegen auf Kritik.
Als passionierter Geiger suchte der Maler nach einem theoretischen Grundgerüst für die
Komposition eines Bildes, ähnlich wie in der Musik. Harmonie war das Ziel, Komposition und
Farbe die Mittel, Rhythmus die Voraussetzung. Ausgehend von der impressionistischen
Gegenstandauflösung wurde Sichtbares zu zweidimensionaler Fläche und geometrischer Form
reduziert. Basierend auf den Farbtheorien Goethes und Chevreuls entwickelte Hölzel einen
sechsteiligen Farbkreis mit Rot als höchster Intensitätssteigerung an der Spitze. Mit
Kontrastgruppen schuf er die Grundlage für seine ausgewogenen Bildkompositionen.
Nach dem Höhepunkt der "Tubenbilder" verließ er um 1919 die Ölmalerei und entschied sich für
die Pastelltechnik. Im Pastell fand er alle Vorzüge vereint: Leuchtkraft der Farbe, samtige
Oberfläche und Resistenz gegen das Ausbleichen. Außerdem konnte "man x-beliebig lange Striche
ziehen, ohne dass der Strich aussetzt, wie bei dem Pinsel mit nasser Farbe".
Etwa 1200 bis 1500 Papierarbeiten in Ölkreide oder Pastellstiften hat Adolf Hölzel hinterlassen.
In ihrem Farbenrausch und der mosaikartigen Expressivität entsprechen sie den Glasfenster-Aufträgen der
letzten Lebensjahre.
Kostenlose Führungen durch die Ausstellung am
Donnerstag, den 19. Oktober um 19 Uhr,
Donnerstag, den 9. November um 16 Uhr,
Sonntag, den 10. Dezember um 15 Uhr.
Treffpunkt: Museumskasse.
Biografie
1853-1871 Kindheit
- geboren am 13. Mai 1853 in Olmütz/Mähren;
Schriftsetzerlehre in Gotha; erhält Mal- und
Zeichenunterricht sowie Geigenstunden
1872-1882 Akademische Ausbildung
- 1872-1876 Besuch der Wiener Akademie der Künste
- 1876 Fortsetzung des Studiums in München, stilistisch
orientiert an seinem Lehrer Wilhelm von Diez
1882 -1894: München und Dachau
- ab 1882 hauptsächlich realistische Gemälde in
Anlehnung an holländische Genreszenen; 1882 Heirat
mit Karoline Emilie von Karlowa (Emmy)
- 1887 Parisreise, starke Beeinflussung durch den
französischen, später auch deutschen Impressionismus;
zieht sich nach Dachau zurück und entwickelt eine eigene
Kunsttheorie
- 1891 Gründung seiner privaten Kunstschule in Dachau,
zu deren Schülern Ida Kerkovius und Emil Hansen
(genannt Nolde) gehören
- Stilwandel ab 1890: lockerer und dynamischer
Pinselstrich, lichtdurchflutete, luftige Atmosphäre in
seinen Gemälden
1894-1905 "Neu-Dachau"
- 1892 Gründungsmitglied der Münchner Sezession;
gemeinsam mit Arthur Langhammer und Ludwig Dill
bildet Hölzel den "Neu-Dachauer Stil" aus; Pleinair-
Malerei in der Dachauer Umgebung
- 1901 erste theoretische Publikation "Über Formen und
Massenverteilung im Bild"; 1904 Veröffentlichung
"Künstlerische Ausdrucksmittel und deren Verhältnis zu
Natur und Bild"
- 1905 Durchbruch zur Abstraktion mit monochromer
"Komposition in Rot I"; Berufung an die Stuttgarter
Akademie als Leiter einer Komponierklasse
1906-1919: Stuttgart: Abstraktion und Religion
- 1907 Begegnung mit Paul Sérusier und der Kunst der
Nabis
- 1908 Anknüpfung an die "Komposition in Rot I" mit drei
Anbetungs-Darstellungen; danach vorübergehende
Rückkehr zur impressionistischen Gegenständlichkeit
- 1914-16 Variationen und Collagen zur "Heiligen Ursula"
und zur "Anbetung"; prismatische Kompositionen aus
Dreiecks-Flächen; 1916 wird "Komposition in Rot I" wird
zum ersten Mal öffentlich ausgestellt
- 1916-18 Ernennung zum Direktor der Akademie;
Ausführung der Glasfenster für die Keksfabrik Bahlsen,
Hannover; pastose und geometrische "Tubenbilder"
1919-1934 Pastelle und Glasfenster
- 1919 Aufgabe seiner Professur; Experimente mit
verschiedenen Medien und Entschluss zur Pastellmalerei
- 1928 Glasfenster am Stuttgarter Rathaus,
- 1932-33 Glasfenster-Auftrag für den Konferenzsaal der
Pelikanwerke Hannover; 1933-34 letzter Auftrag für
Glasfenster der Stuttgarter Firma Maercklin
- am 17. Oktober 1934 stirbt Adolf Hölzel an den Folgen
eines Schlaganfalls








