„Die Funktionalität ist das Wesen der Architektur. Aber für Kunst ist die Funktion keine Bedingung. Mein Fokus liegt darauf, Emotion zu wecken und Sehgewohnheiten zu verändern“ (Magdalena Jetelová).
„Dieses Spiel mit Wahrnehmung, mit Verschiebung, „einer Verrückung von Ebenen“ - zeitlichen, akustischen, räumlichen - prägt Jetelovás vielfältiges künstlerisches Schaffen. Dabei hat sie sich weder vom Material - sie arbeitet mit Fotografie, Laser, Holz, Ruß, Metall, Video, Wörtern, Sand - noch formal-ästhetisch jemals beschränken oder einengen lassen: „Bildhauer zu sein bedeutet nicht nur, mit einem Material zu arbeiten!“
(Passauer Neue Presse, 27.6.)
„Die im Kunstforum Ostdeutsche Galerie unter anderem präsentierten Leuchtkästen Jetelovás aus den 90er Jahren treten bewusst in Korrespondenz mit einigen in der Dauerausstellung hängenden Arbeiten. Ein künstlerischer Dialog, der dazu anregt, die gewohnte Kunstsammlung des Museums neu zu entdecken“ (Deutschlandradio, 25.6.2006).
Magdalena Jetelová zählt zu den herausragenden, international anerkannten Künstlerinnen der Gegenwart. Sie wurde 1946 in Semily in der Tschechoslowakei geboren und emigrierte 1985 in die Bundesrepublik Deutschland. Bereits 1987 war sie auf der 8. documenta in Kassel vertreten. Nach zahlreichen Stipendien und Preisen war sie von 1990 bis 2004 als Professorin an der Akademie für bildende Künste in Düsseldorf tätig. Seit 2004 ist Magdalena Jetelová Inhaberin des Lehrstuhls für Bildhauerei an der Akademie für Bildende Künste in München.
Zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn machte Magdalena Jetelovà hauptsächlich mit raumsprengenden Möbelskulpturen aus monumentalen Eichenstämmen als ironisches Abbild der bestehenden Machtstrukturen in der realsozialistischen Wirklichkeit von sich reden. Heute sind es spektakuläre, hochkomplexe Raum- und Wahrnehmungstransformationen, die die Künstlerin mit elektronischen Medien oder durch kategorische Eingriffe in der Natur und im urbanen Freiraum, in musealen Innenräumen oder an Monumenten des Krieges inszeniert.
Der Lovis Corinth Preis 2006
Die Künstlergilde Esslingen und das Kunstforum Ostdeutsche Galerie zeichneten die Künstlerin, mit dem Lovis Corinth-Preis 2006 aus. Die Jury begründet ihre
Entscheidung damit, dass Jetelová in ihrem Werk „neue psychologische und ästhetische Dimensionen
des Skulpturalen erschlossen“ habe. Ihr Werk zeichne sich durch „künstlerische Radikalität und
Konsequenz“ aus.
Der Lovis Corinth-Preis wird seit 1974 vergeben.
Als Hauptpreis geht er – nach Katharina Sieverding –
zum zweiten Mal an eine Künstlerin. Zu den bisherigen
Preisträgern gehören Karl Schmidt-Rottluff, Oskar Kokoschka, Otto Herbert Hajek,
Markus Lüpertz, Sigmar Polke und zuletzt 2004 Christian Ludwig Attersee. Mit der Wahl von
Jetelová wollen die Träger des Preises ein weiteres Zeichen kultureller Öffnung und
Integration im geeinten Europa setzen.
„Sonderausstellung: VENCEREMOS / SALE“.
Aus Anlass der Auszeichnung hat Magdalena Jetelová eine Außeninstallation entwickelt, die ihre wichtigsten künstlerischen Prinzipien -
die Arbeit mit dem Raum, die Nutzung aktuellster technologischer Errungenschaften und die
Sammlung von Erfahrungen in fremden Umgebungen – miteinander verbindet und verdichtet. Die Künstlerin
aktualisiert und erweitert dabei spielerisch ihr Kubanisches Projekt von 1994. Den dort thematisierten
Ausverkauf des politisch-revolutionären Erbes im veralteten Castro-Regime überträgt sie nun in eine
ironisch verallgemeinernde Reflexion über Prozesse der Zerstörung von Ausgedientem und des Verlustes
von Althergebrachtem. Die Künstlerin umkleidet die vier Pfeiler des Portikus mit einer roten, beweglichen
Ummantelung und lässt sie optisch in verschiedene Richtungen kippen. Foto- und Videoarbeiten sowie Installationen, Objekte und weitere Arbeiten
von sechs wichtigen ehemaligen Schülerinnen und Schülern, in deren Arbeit Magdalena Jetelovás künstlerische
Position latent fortwirkt, werden die qualitätsvolle Sonderausstellung spannender Gegenwartskunst ergänzen:
Jana Matejková, (1981, Tschechien)
MIOON (Min Kin & Moon Choi, 1972, Südkorea)
Joanne Moar (1971, Neuseeland)
Neringa Naujokaite (1966, Litauen)
Leo Vukelicc 1978, Kroatien)
Verleihung des Lovis Corinth-Preises 2006 und Ausstellungseröffnung:
Sonntag, 25. Juni 2006, 11 Uhr, Eintritt frei.