Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Junge Frauen und stille Landschaften, sie liebte Otto Mueller - und sonst gar nichts. Sein Werk ist ein einziger Hymnus auf die Liebe zum Menschen und zur Malerei. Er selbst zog sich fast ganz hinter diese leidenschaftlich scheue Hingabe zurück. Im Spiegelkabinett seiner Zeitgenossenschaft - als Mitglied der revolutionären Künstlergruppe Brücke und als Professor an der fortschrittlichen Kunstakademie Breslau - wurde Otto Mueller zu dem, der er heute in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ist: ein bedeutsamer und zugleich rätselhafter Pionier der Moderne, dessen reifes und spätes Werk alle Symptome des Expressionismus zeigt, ohne sich je in ihnen zu erschöpfen. Im Schoß der Avantgarden in Berlin und Breslau - immer eigensinnig still am Rande, aber hoch geschätzt von Freunden, Kollegen und Schülern - formulierte der Maler und Grafiker aus dem Riesengebirge das, was derzeit in den Museen der Welt und auf dem internationalen Kunstmarkt rar und heiß begehrt ist: hochherzige Visionen einer vollendeten, doch stets auch gefährdeten Harmonie von Mensch und Natur.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg beherbergt zwei bedeutende Gemälde Otto Muellers, die die beiden Pole seines Lebenswerks gültig vertreten. Die weibliche Aktfigur ohne Gesichtszüge [Große Aktstudie, um 1928), turmartig aufragend im samtigen Braunton einer Baumlandschaft, betont in ihrem unvollendeten Zustand die besondere Qualität Muellers: in kantiger Kargheit und souveräner Gelassenheit führt eine Ur-Traumfrau den modernen Betrachter in den Zwiespalt zwischen Anziehung und Abweisung - als wenn es "auf der Welt überhaupt nichts Neues" gäbe. Eine abendliche Waldlandschaft [Abendlandschaft, vor 1925] erweist sich in der kraftvoll harmonischen Rhythmik der Konturen und flächigen Verzahnung der Farbformen als ideale Bühne für den Auftritt des neuen Menschen.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie dankt Florian Karsch in Berlin, der seine umfassende Sammlung des druckgrafischen Werks von Otto Mueller und darüber hinaus das Gemälde "Zwei sitzende Mädchen" von 1924 für diese Ausstellung im Kunstforum erstmals vollständig einem Museum überlässt. Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Gerhard Leistner, dem Sammlungsleiter des Kunstforums.