Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Sigmar Polke, 1941 geboren und seit vielen Jahren in Köln lebend, ist eine herausragende deutsche Künstlerpersönlichkeit in der aktuellen internationalen Kunstszene. In der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie befinden sich mehrere Werke des gebürtigen Niederschlesiers. Die Themenausstellung "Das kann doch kein Motiv sein. Die Editionen 1963 - 2005" nimmt nun eine spezifische Facette Polkes in den Blick, die allzu oft hinter dem weltberühmten malerischen Werk zurücktritt.

In der Privatsammlung Dr. Axel Ciesielski befindet sich der einzige komplett vorliegende Werkkomplex der Editionen von 1963 bis heute. Erst seit wenigen Jahren wird er als eigenständige Werkgruppe entdeckt. Das umfangreiche Konvolut von insgesamt rund 175 Druckgrafiken sowie Plakaten, Multiples, Katalogbeiträgen und Künstlerbüchern überrascht durch Polkes Bild- und Sprachwitz und dokumentiert beeindruckend die seismografische Wachsamkeit des Künstlers gegenüber den wechselvollen Szenarien des öffentlichen Lebens. In den Editionen zeigt sich Polkes sprühender Geist, aber auch seine tiefsinnige Hintergründigkeit. Die Regensburger Ausstellung präsentiert Polkes Editionen in Konstellationen, die sowohl seine Entwicklung vom engagierten Mitbegründer des "Kapitalistischen Realismus" zum materialbesessenen Pop-Künstler als auch die gesamte thematische und technische Bandbreite seines vielschichtigen künstlerischen Schaffens herausarbeiten.

Deutlich wird, wie vielfältig die Berührungspunkte zwischen Polkes Editionen und seinem malerischen, fotografischen und zeichnerischen Werk sind. Die technisch hoch versierten Arbeiten zeichnen sich durch Lust am Experiment und unerschöpflichen Ideenreichtum aus. Seine experimentelle Arbeitsweise, insbesondere mit dem Phänomen der Rasterpunkte, spiegelt sich in der Kombination von Offsetdruck, Siebdruck, Fotografie, chemischen Manipulationsprozessen, interaktiven Kopiervorgängen und digitalen Verarbeitungseffekten. Ikonographien des Alltags zwischen Kitsch und Klischee treffen so auf Rasterbilder als kultur- und medienkritische Metaphern; die Hochkultur von Wissenschaft, Kunst und Malerei vermischt sich mit massenkulturellen Phänomenen. Das Vehikel dieser Anverwandlung und Durchmischung heißt Ironie. Sie konkretisiert sich als ironisch-ernster Zugriff auf Welt und Wirklichkeit, die Polkes tiefes Bewusstsein für die eigene Geschichtlichkeit als Mensch und Künstler spiegeln.
Die letzte Ausstellung des Kunstforums mit Gemälden von Sigmar Polke liegt 13 Jahre zurück und fand anlässlich der Verleihung des Lovis Corinth-Preises 1993 statt.

Publikation zur Ausstellung

Jürgen Becker und Claus von der Osten (Hrsg.): Sigmar Polke. Die Editionen 1963-2000. Catalogue Raisonné, mit einem Essay von Martin Hentschel, Ostfildern-Ruit 2000 (Preis 25,- Euro)

Danksagung

Wir danken der Galerie Jürgen Becker (Hamburg) und der Galerie Klein (Bad Münstereifel) für die Vermittlung der Sammlung Axel Ciesielski.

Eröffnung

der Ausstellung am Sonntag, 19. Februar 2006, 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es spricht Dr. Ulli Seghers, Köln.

Dauer der Ausstellung

21. Februar bis 14. Mai 2006 (verlängert bis 21.Mai 2006)

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstags bis 20 Uhr. Montags geschlossen. Jeden 3. Sonntag im Monat: eintrittsfrei.