Die Retrospektive ,Timm Rautert: no photographing'
im Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Timm Rautert, der seit über vierzig Jahren konsequent im Medium der Fotografie arbeitet, geht in seinen eindring-
lichen Menschenbildern immer wieder
Fragen des Ab-
bildens und des schöpferischen Sehens nach. Gleichzeitig gelingt ihm eine brillante Analyse unserer sozialen Wirklichkeit.
Mit ca. 120 Exponaten stellt die Ausstellung im Kunstforum nicht nur das Schaffen des Fotografen, sondern auch sein bildanalytisches
Programm vor. Der zeitliche Rahmen umspannt Rauterts erste freie Arbeiten noch während seiner Studienzeit bis zu neuesten teilweise noch nie ausgestellten
Fotografien.
"Mit seinem auf die moralischen wie sozialen Fragen des Menschen insistierenden Werk fügt sich Rautert als Corinth-Preisträger in die Reihe seiner namhaften Vor-
gänger. Mit
der Auszeichnung von Timm Rautert stellt die Jury das Medium Fotografie den traditionellen Kunst-
gattungen zur Seite und eröffnet für den Lovis Corinth-Preis einen neuen Weg
in die Zukunft", so Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin des Kunstforums und Jurymitglied.
Die Fotografie Timm Rauterts
Timm Rautert widmet sich in seinem Werk thematisch dem sich mit den Arbeitsprozessen wandelnden Menschenbild, den verschiedenen Darstellungsmöglich-
keiten der Fotografie und nicht zuletzt der Infragestell-
ung des fotografischen Verfahrens.
Die Protagonisten auf Rauterts Fotografien - Kinder, Fabrikarbeiter, Obdachlose oder Künstler - werden ohne moralische Anklage als ,individuelle' Typen teilweise über Jahre
hinweg beobachtet und in ihren sich veränderten Lebensbedingungen wahrgenommen. Eine herausragende Rolle spielen dabei die Handlungsräume: graue Vorstädte, alte und neue
Produktionshallen, modernste Laboratorien, ärmliche Hinterzimmer, steril wirkende wie chaotische Ateliers oder kühle Museumsräume - all diese Orte werden durch den suchenden
Kamerablick des Künstlers zu bloßen Örtlichkeiten des Handelns degradiert.
Rauterts Fotografien zeigen auf eindringliche und fesselnde Weise, dass es in der Fotografie nie nur ein einziges Abbild gibt, sondern neben dem mit der Kamera gefundenen
Bild immer auch weitere Möglichkeiten bestehen. Damit wird seiner künstlerischen Foto¬grafie von vornherein die Naivität eines bloß abbildenden Mediums genommen.
Der Preis
Der Lovis Corinth Preis wird im Zweijahresrhythmus durch die KünstlerGilde Esslingen und das Kunstforum Ostdeutsche Galerie an zeitgenössische Künstlerinnen und
Künstlern verliehen, die durch Leben und Werk mit den historischen deutschen Kulturlandschaften im heutigen östlichen Europa bzw. mit dem aktuellen
ostmitteleuropäischen Kunstgeschehen verbunden sind.
Mit dem Preis im Geist des ostpreußischen Malers Lovis Corinth (1858-1925), einem Grenzgänger zwischen Tradition und Avantgarde, wurden seit 1974 herausragende deutsche
Künstler ausgezeichnet, unter ihnen Karl Schmidt-Rottluff, Oskar Kokoschka und Otto Herbert Hajek oder Markus Lüpertz, Sigmar Polke und Katharina Sieverding.
Heute soll der seit 2000 undotierte Lovis Corinth Preis
ein international bedeutendes Lebenswerk würdigen,
das besonders bei der Entwicklung zeitgenössischer
Ausdrucksformen originäre Relevanz entfaltet. 2006 wurde mit Magdalena Jetelová erstmals eine für die deutsche Kunstszene überaus einflussreiche Künstlerin
aus Ostmitteleuropa geehrt.
Weitere Infos zur Biografie und zum Preis >>
Begleitprogramm zur Ausstellung >>
Publikationen
Zur Ausstellung liegt ein reich bebilderter Katalog mit zahlreichen wissenschaftlich fundierten Beiträgen vor
(276 S., 71 farbigen u. 120 s/w Abb.; Steidl- Verlag, Göttingen).
Das Begleitheft zur Ausstellung mit Texten zu den präsentierten Werken und Werkgruppen erhält der Besucher kostenlos an der Kasse.

