Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Oskar Moll
Brieg/Schlesien 1875 – 1947 Berlin

Stillleben mit Kamelie, 1918
Öl auf Leinwand
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Oskar Moll war 1907 Gründungsmitglied der Académie Matisse in Paris und studierte einige Jahre bei dem Maler Henri Matisse (1869-1954). Matisse gehörte der Gruppe „les fauves“ an, wie sie die Kunstkritik nach ihrer ersten Ausstellung 1905 beschimpft hatte. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von vielen Künstlern aufgesucht, die sich von ihm unterrichteten lassen wollten.
Die so genannten ‚Fauves’ setzten sich bewusst vom Impressionismus und Naturalismus ab und entwickelten einen eigenen Stil, bei dem die Farbe eine herausragende Rolle spielte. Sie arbeiteten mit starken Farbkontrasten, bevorzugten flächige Malerei und versuchten trotz einer Vereinfachung des Gegenständlichen einen maximalen Ausdruck zu erzielen.

Oskar Molls Werk steht in enger Verbindung mit seiner Lehrzeit in Paris und dem Eindruck der Kunst von Henri Matisse. Das „Stillleben mit Kamelie“, eine Assemblage aus einem faltigen Tischtuch, Geschirr, Tabak und Pfeife, einem Fächer und einer Kamelie in einem Blumentopf, ist teils flächig und teils plastisch gemalt. Der angeschnittene Stuhl und der schräg in den Raum ragende Tisch leiten den Blick zur Mitte des Bildes. Der Hintergrund wird dominiert vom Blau der Tapisserie und einem markanten Pinselduktus. Wir sehen eine „Kunst voll Gleichgewicht, Reinheit, Ruhe ohne beunruhigende oder die Aufmerksamkeit beanspruchende Sujets“, wie Matisse die Werke Oskar Molls 1908 charakterisierte und damit den Unterschied zu seinen eigenen Arbeiten ansprach.

Kurz nach der Entstehung dieses Stilllebens wurde Moll an die Breslauer Akademie für Kunst und Kunstgewerbe berufen. In den Jahren 1925 bis 1932 war er hier Direktor. Neben dem Bauhaus in Weimar und Dessau sowie der Frankfurter Schule entwickelte sich die Kunstakademie in Breslau unter Leitung der Architekten Hans Poelzig (seit 1911) und August Endell (seit 1918) vor allem aber während des Direktorats von Oskar Moll zur lebendigsten Kunstschule Deutschlands. Lehre und Praxis zielten auf eine Synthese von freien und angewandten Künsten, von Kunst und Technik, Form und Funktion.
Die NS-Diktatur verurteilte dieses revolutionäre Credo zum Scheitern, 1932 wurde die Breslauer Kunstakademie geschlossen.