Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Johannes Molzahn
Duisburg 1892 - 1965 München

"Armariolo in Antisma" (Diptychon). 1931
Öl auf Leinwand
Werk-Dukomentation © und Copyright im Johannes Molzahn-Centrum Kassel

Johannes Molzahn entwickelte seinen eignen Stil, indem er - von Futurismus und Expressionismus beeinflusst - Typografen und gebrauchsgrafische Formen mit mythischen, mystischen und religiösen Inhalten verband.

In seinem Gemälde "Armariolo in Antisma" verbindet der Künstler stilisierte Figuren und typografische Elemente mit der differenzierten Textur des Bildhintergrunds.
Als Schattenrisse sind die Figuren in verschiedenen (Teil-)Ansichten - von Profil bis zur Frontalansicht - zu sehen. Dennoch wirken sie nicht starr und leblos. Durch die unterschiedliche Farbigkeit und die gedrängte Anordnung erscheinen sie vielmehr bewegt.
Das Blau - die bestimmende Farbe des Bildes - gliedert in abgestuften Nuancen den Hintergrund und schafft so ein Raumgefüge im Bild.
Die geometrischen und typografischen Elemente sind zweidimensional auf der Bildfläche angelegt. Erst durch ihre Anordnung und Überschneidungen schaffen sie einen räumlichen Eindruck.

Der Titel des Werkes ist kryptisch in das Bild hineingesetzt. Er ist den visionären Dichtungen der altflämischen Mystikerin Hadewych Blommaert entnommen und verweist auf die Beziehung zwischen seelischem Empfinden und rationalem Geist.

Johannes Molzahn wuchs in Weimar auf, absolvierte eine Lehre zum Fotografen und erhielt von 1904-07 Zeichenunterricht an der Großherzoglichen Zeichenschule. Während seiner Wanderjahre durch die Schweiz 1908-14 machte er Bekanntschaft mit vielen bekannten Künstlern seiner Zeit, u. a. Otto Meyer-Amden, Walter Gropius, Theo van Doesburg, El Lissitzky, sowie der Novembergruppe.
1923 wurde er als Lehrer für Gebrauchsgrafik an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen. Zwei Jahre später verfasste Molzahn eine Denkschrift über seine Vorstellungen zu Strukturen und Zielen einer modernen Kunstgewerbeschule und entwickelte die Grundlagen für einen modernen gebrauchsgrafischen Unterricht. Von 1928 bis zu seiner Entlassung 1933 war er Leiter der Grafikklasse an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau.
1938 emigrierte Molzahn in die USA, wo er an verschiedenen Kunstschulen unterrichtete. Erst 1959 kehrte er nach Deutschland zurück.