Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Franz Radziwill
Strohhausen/Unterweser 1895 – 1983 Varel-Dangast

Dorfeingang (Ende eines Arbeitstages). 1928
Öl auf Hartfaser
Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Dieses Bild weißt auf die Widersprüchlichkeit des technischen Fortschritts in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hin. Zum einen wird die Technik immer schneller entwickelt und soll den Menschen das Leben erleichtern. Andererseits geht von der rasanten Entwicklung etwas Bedrohliches aus. Mit dem Fortschritt kommt nicht nur Erleichterung, sondern auch Krieg und Angst. Diese Stimmung war besonders zwischen den beiden Weltkriegen in der modernen Gesellschaft zu spüren und fand in Radziwills Bild seinen Niederschlag.
Die linke Bildhälfte wird bestimmt durch ein Gebäudeensemble, einen Hof um den sich eine Mauer zieht, vor der die Bauernfamilie steht und sitzt. Das Lokomobil im Vorhof des Gebäudes gehört zu den ersten dampfbetriebenen Maschinen, wie sie zwischen den beiden Weltkriegen als Erntehilfen in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Diese scheinbare Idylle wird durch die bröckelnde Fassade des Hauses, die missmutigen Gesichter der Menschen und den leuchtend roten Himmel gestört. Zwischen den schwarzen zerrissenen Wolken fliegen zwei Flugzeuge in den Nachthimmel. Bei genauerem Hinsehen, erkennt man, dass es sich bei den Fliegern um Kriegsmaschinen handelt. Die Landschaft in der rechten Bildhälfte und die Segelschiffe im Hintergrund zur Bildmitte scheinen wie aus vergangen Zeiten hierher versetzt. Die düstere Stimmung auf diesem Gemälde wird durch die grellen Farben und den dunklen Hintergrund noch verstärkt und deuten auf ein apokalyptisches Szenario.
Franz Radziwill studierte 1913-1915 Architektur an der Höheren Technischen Staatslehranstalt für Architektur in Bremen. 1919 an der Bremer Kunstgewerbeschule. Seit 1920 war er Mitglied der Freien Secession und der Novembergruppe in Berlin. 1933-1935 war er Professor an der Düsseldorfer Akademie. Im Zweiten Weltkrieg galten seine Werke als „entartet“. 1963 erhielt er ein Stipendium zu einem Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Radziwill wuchs in der Nähe des Bremer Flughafens auf und kam so schon früh mit der aufstrebenden Technik Anfang des 20. Jahrhunderts in Berührung. Danach lebte er lange Zeit in Dangast, dem ehemaligen Treffpunkt der Brücke-Künstler. In seinen Bildern beschäftigte ihn u.a. das Thema Konflikt zwischen Natur und Technik.