Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Wolf Röhricht
Liegnitz 1886 - 1953 München

Trauerfeier für Reichsaußenminister Gustav Stresemann. 1929
Öl auf Leinwand
Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland

Gustav Stresemann (1878-1929) war Politiker, `Reichskanzler` und `Reichsminister des Auswärtigen` während der Weimarer Republik, dessen politische Haltung immer wieder zu kontroversen Diskussionen geführt hatte. Die einen feierten ihn als "Europäer der ersten Stunde", die anderen hielten ihn für einen radikalen Nationalisten. Vermutlich von den hektischen Regierungsgeschäften geschwächt starb er 1929 an einem Schlaganfall. Der Tod des bedeutenden Staatsmanns der Weimarer Republik und Trägers des Friedensnobelpreises war ein Schock mit fatalen Folgen für die politische Entwicklung in Deutschland.
Röhricht deutet dies in seinem Bild mittels des zentralen schwarzbeflaggten Reichstagsgebäudes an, das hoch aufragend im Hintergrund über der Szene des Trauerzuges steht. Deutlich lesbar ist im Bild die Widmung "Dem deutschen Volke". Im Mittelpunkt der Szene steht die Anteilnahme des Volkes am Tod Stresemanns. Im Vordergrund der Sargwagen, gezogen von sechs Pferden, dahinter die Würdenträger und das Redenerpult im Bildmittelgrund. Dahinter drängt sich das Volk zu einem undurchsichtigen Pulk. Dass dieses Ereignis von historischer Wichtigkeit für Deutschland war, zeigt auch Röhrichts lithographisches Mappenwerk, das er anläßlich des Begräbnisses anfertigte.

Nach einem Jurastudium in München und Berlin, das Röhricht 1915 mit der Promotion abschloß, besuchte er Malereikurse bei Heinrich Knirr und freundete sich mit Waldemar Rösler an. Er studierte zeitweise an der Académie Julian in Paris bei Bonnard und Vuillard und wurde 1913 Mitglied der Freien Sezession in Berlin, an deren Ausstellungen er sich seit 1914 beteiligte. Später wurde er Vorstandsmitglied der Münchner Sezession und hatte in dieser Funktion maßgeblichen Einfluss auf die Kunstszene nach dem Ersten Weltkrieg. Seit 1926 unterrichtete er an der Schule des Vereins Berliner Künstlerinnen. Während des Zweiten Weltkriegs gingen viele seiner Arbeiten verloren oder wurden von den Nationalsozialisten aus den deutschen Museen entfernt. Röhricht verließ 1945 das zerstörte Berlin und kam über Garmisch-Partenkirchen nach München, wo er sein künstlerisches Werk fortsetzte. Bei der Internationalen Kunstausstellung des Carnegie-Instituts in Pittsburgh/USA 1950 zählte man ihn zu den fünfzehn besten Malern Deutschlands. In seinem vielseitigen Werk finden sich als Schwerpunkte Porträtmalerei, Industriedarstellungen und Landschaften.