Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Morgensonne, 1910 Öl auf Leinwand, 68,5 x 80,5 cm
Hess. Landesmuseum Darmstadt
Foto: Ausstellungskatalog

Lovis Corinth
Tapiau / Ostpreußen 1858 - 1925 Zandvoort

"Guten Morgen, Petermannchen"
Charlotte Berend ist das zentrale Ereignis im Leben des Lovis Corinth. Die 21-jährige Berliner Jüdin erklimmt Ende 1901 die Stufen zu dessen neu eröffneter "Malschule für Weiber" - und ist zunächst befremdet vom bärbeißigen Wesen des über 20 Jahre älteren Meisters.
Doch rasch zieht sie "Luke" mit ihrer blühenden Schönheit und urwüchsigen Lebenslust, mit Charme und Witz in Bann. Im Juni 1902 malt er das erste Porträt von ihr. Einen Monat später reisen sie nach Horst in Pommern, wo Charlotte ihren Kosenamen "Petermannchen" erhält.
Sie ist es, die die Heirat im März 1903 anregt. Er korrigiert auch später ihre Figurenmalerei und freut sich über ihre Erfolge in der Berliner Secession. Sie bleibt ihm Muse und Gefährtin, Vertraute und Trösterin in allen Fährnissen des Lebens, sein liebstes Modell bis zum Tod - ein "Schutzgeist in wirklicher Menschengestalt". Corinth huldigt seiner Hingabe zu ihr in einer atemberaubenden Serie intimer Genrebilder und Porträtszenen. Charlotte inspiriert die wachsende Sinnlichkeit seiner Malerei nach 1900.
"Morgensonne" erfasst nicht nur den flüchtigen Augenblick des Aufwachens, sondern auch das freie Spiel des Lichts über der noch warmen Haut und dem vertrauten Lächeln der geliebten Frau. Hier enthüllt sich Malerei als reine Erotik.
Text: Ulrike Lorenz