Die Huldigung der Venus, 1919, Lithografie,
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg
Lovis Corinth
Die Huldigung der Venus, 1919, Lithografie,
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg
"Triumphzug der Sinnlichkeit"
Scheinbar schwebend zieht die unschuldig dastehende, gleichwohl wollüstige Venus alles und jeden in ihren Bann. Die huldigenden Amoretten, den Becken spielenden
Faun, den lärmenden Bacchanten und die beiden gezähmten Tiger - niemand kann sich dem machtvollen Zauber der liebreizenden Göttin entziehen.
Lovis Corinth entwarf diese Farblitografie, die das Schlussblatt des achtteiligen Zyklus "Der Venuswagen" darstellt, im Jahr 1919. Mit diesen Blättern illustrierte
er das gleichnamige hoch erotische Gedicht von Friedrich Schiller, das dieser 1781 noch anonym veröffentlichen musste.
Erotik aus zwei Perspektiven
Während Schiller seinen "Venuswagen" im zarten Alter von 21 Jahren verfasste, illustrierte Corinth das Gedicht mit 61 Jahren, als er bereits einen Schlaganfall
hinter sich hatte und, nach Aussagen seiner Frau Charlotte Berend-Corinth, unter den ersten körperlichen Einschränkungen des Alters litt.
Das, was beide so vergnüglich in verschiedenen Medien darstellten, liegt also zwischen den Lebensstufen der Autoren: Der junge Schiller schildert in dem Gedicht
seine erotische Sehnsüchte, Corinth hingegen zeichnet diese 140 Jahre später zurückblickend aus der sexuellen Erinnerung.
Lovis Corinth und Friedrich Schiller
"Der Venuswagen. Friedrich Schiller - Lovis Corinth", diese Publikation erscheint zur Ausstellung "Lovis Corinth auf Papier" und anlässlich des 250.
Geburtstags von Friedrich Schiller (1759-1805). Das Buch stellt den Zyklus Corinths sowie seine Vorstudien dem Gedicht Schillers gegenüber. Der Essay
der Regensburger Venuswagen-Komplex von Dr. Roman Zieglgänsberger, dem Leiter der Grafischen Sammlung, führt in die ungewöhnliche Auseinandersetzung
Lovis Corinths mit einem der wichtigsten deutschen Literaten ein. Der achtteilige Zyklus sowie eine Auswahl an Studien sind in der aktuellen Ausstellung
des Kunstforums zu sehen (>>> Details).

