Kurt Teuscher
Radonitz (Böhmen) 1921 – lebt in Selb/Oberpfalz
Ohne Titel (multicolor), 1975
Acryl auf Aquarell-Bütten
Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Vor knapp 90 Jahren wurde die Kunst des Konstruktivismus zu einer internationalen Sprache. Seitdem haben sich zahlreiche konkrete Konzepte zwischen rationaler und
intuitiver Geometrie, zwischen serieller und monochromer Malerei entwickelt. All diese Konzepte haben unabhängig von ihrer formalästhetischen, weltanschaulichen und
erkenntnistheoretischen Art einen gemeinsamen Kern, nämlich ihre ausschließliche Bezieh- ung von Linie, Form und Farbe auf Fläche, Volumen und Raum.
Kurt Teuscher kommt wie viele konkrete Künstler von der Gebrauchsgrafik. Seine anfängliche Konzentration liegt auf der Kalligrafie am Beispiel des Alphabetes, aus dem
einzelne Buchstaben auf ihre charakteristische Grundform geprüft und in einem lebendigen Farb-Form-Rhythmus herausgearbeitet werden. Seine langjährige Tätigkeit als
Gebrauchsgrafiker schult sein Bewusstsein für klare und verständliche Entwürfe. Mit Bleistiftskizzen werden seine konkreten Bildideen vorbereitet. Es folgen Entwürfe
mit Farbcollagen, die er schließlich mit Acrylfarbe entweder auf Leinwand oder auf Papier ausführt. Er arbeitet mit einem speziellen Aquarellpapier, das die Farben
stärker zum Leuchten bringt. Teuschers geometrischer Bildaufbau folgt keiner logischen oder mathematischen, sondern intuitiven Berechnung. In unterschiedlicher
Anordnung setzt er seine Linien, Dreiecke, Rechtecke, Quadrate, Kreisschnitte, T- und Winkelformen. In spielerischen Variationen gliedert er mit diesen geometrischen
Elementen die Bildfläche, die unregelmäßig geformt sind, vom Bildrand angeschnitten werden, sich überlappen oder durchschneiden, was zu perspektivischen Ansichten führt.
Vertikale und horizontale Balken führen einen Dialog mit der diagonalen und kurvigen Linie, die den Eindruck der Bewegung der an sich statischen Form begünstigt. Das
Farbenspektrum reicht von gedämpften bis satten Tönen. Primär- und Sekundärfarben alternieren mit unterschiedlicher Gewichtung. Im Verbund mit Schwarz und Weiß bewirken
diese Töne extreme Spannungen in ihren Kontrasten.
Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft studiert Teuscher 1949-53 an der Werkkunstschule Wiesbaden bei Prof. Haffenrichter und an der Kunstschule Altersdamm, Hamburg. Danach verdient er sich 1954-81 als Gebrauchs- grafiker in Hamburg, Köln und Frankfurt seinen Lebens- unterhalt, ehe er sich ab 1982 als freischaffender Maler zunächst in Weilheim/Oberbayern, dann in Regensburg und Selb niederlässt. 1995 erhält er den Kunstpreis des Landkreises Dillingen und beteiligt sich 1995-98 an den internationalen Symposien für Konkrete Kunst in Okuninka/Polen und 2007 am 25. Symposium "Die Rolle der Intuition", Centrum Rzezby´Polskiej, Oronsko/Polen.
Anlässlich der Stiftung mehrerer Werke des Künstlers zeigt das Kunstforum in der neu initiierten Reihe „aus dem altelier…“ einen Ausschnitt aus dem Œuvre Teuschers. Zur Kabinettausstellung ist ein Begleitheft zu einem Preis von € 2.50 an der Museumskasse erhältlich.

