Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Walter Leistikow
Märkische Seenlandschaft. Um 1896
Öl auf Leinwand
61,5 x 51 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Inv.-Nr. 3349

Gerne nutzte Walter Leistikow das Angebot seines wohlhabenden Gönners, des Bankiers Fürstenberg, und zog sich immer wieder in dessen Villa im Grunewald am südwestlichen Stadtrand von Berlin zurück, um hier zu malen. Die in keiner Hinsicht aufregende, gepflegte Parklandschaft der Umgebung mit künstlich angelegten Seen und den charakteristischen Föhren scheint es ihm angetan zu haben. In zahlreichen Bildern gelingt es ihm, die ganz eigene Atmosphäre dieser stillen Landschaft festzuhalten. „Er ist für die Welt zum Dolmetsch dieser spröden Natur geworden“, fasst Lovis Corinth zusammen, Leistikows Freund und Kollege aus der Künstlervereinigung Berliner Secession. Corinth ist es auch, der bereits 1910 dem früh verstorbenen Gefährten und wichtigen Vorkämpfer der Vereinigung eine erste biografische Skizze widmet.
Die „Märkische Seenlandschaft“ gehört unter Leistikows Landschaftsbildern zu den kleineren Formaten. Eindeutig lässt sich daran der Wandel beobachten, der sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in der Landschaftsmalerei vollzogen hat. Dem Künstler geht es nicht mehr darum, die Natur getreu wiederzugeben. Viel wichtiger ist es ihm, die Stimmung zu erfassen. Nicht selten spiegelt die Landschaft sein eigenes Befinden. Ein Hauch von Melancholie und Schwermut ist dabei für die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts – das so genannte „Fin de siècle“ – typisch. Die gedämpften Farben erscheinen wie hinter einem Schleier. Verträumt glänzt die Wasseroberfläche des Tümpels in dem milden Licht. Hinter der romantisch-märchenhaften Wirkung des Bildes verbergen sich aber gleichzeitig symbolische Anspielungen. Als einziges horizontales Element im Bildaufbau wird der Busch am Ufer des kleinen Gewässers zum Sinnbild der Einsamkeit. Die spiegelnde Wasserfläche weist auf die undurchdringlichen Tiefen im Inneren des Menschen hin, die zu dieser Zeit durch Sigmund Freuds Entdeckung der Psychoanalyse Interesse erwecken.

Leistikows „Märkische Seelandschaft“ lädt zu einem Versuch ein, die herbstliche Stimmung selbst mit Farbe festzuhalten. Der integrative Atelierkurs für Kinder zwischen 7 und 15 Jahren Samstag 31.10. steht unter dem Motto "Wenn der Wald glüht - Herbst am See".