Aktion zum Internationalen Museumstag 2021

DETAILVERLIEBT. KUNST UNTER DER LUPE

Heute, am 16. Mai, ist Internationaler Museumstag. Dazu wurde die Social-Media-Aktion „Ich sehe was, was du nicht siehst“ geschaffen, in der es darum geht, auf spielerische und kreative Entdeckungstouren durch Museen zu gehen. Auch das KOG-Team hat seine Dauerausstellung inspiziert und Highlight-Werke genaustens unter die Lupe genommen. Entdeckt wurden feine, aber bedeutende Details, die einen interessanten Blick auf die ausgewählten Gemälde bieten. In einer kleinen Bildrätsel-Serie wurden in den letzten zwei Wochen vier dieser Detailaufnahmen auf unseren Facebook- und Instagram-Kanal veröffentlicht. Zu enträtseln war, zu welchem Highlight-Werk das jeweilige Detail gehört.

Aufgrund der anhaltenden Museumsschließung wegen der Corona-Pandemie musste diese Aktion noch digital stattfinden. Aber wir hoffen, dass die Inzidenzwerte weiter sinken und wir bald wieder öffnen können. Unsere Dauerausstellung können Sie dann auch mit unserem neuen Audioguide entdecken.

Auflösung Rätsel 1

 

Arthur Aron Segal
(Jassy, Rumänien 1875 – 1944 London)
Akte am Strand, 1920
Öl auf Leinwand und auf Holz (Rahmen),
76 x 95 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg,
Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
Inv. Nr. 14380

Die schöne rote Badekappe gehört einer Dame auf Arthur Aron Segals Gemälde „Akte am Strand“. Seit 1916/17 befasste sich der Künstler verstärkt mit dem Thema „Gleichwertigkeit“. In der Folge bemühte er sich, alle Bildelemente auf gleicher Ebene wiederzugeben und den Blick nicht auf ein bestimmtes Motiv zu lenken. Er reduzierte dazu die Formen und Farben und verzichtete auf eine perspektivische Raumerfassung. So entstanden zwischen 1917 und 1924 seine typischen „Rasterbilder“. Eines davon ist auch das Gemälde „Akte am Strand“.

Die Komposition mit zwei liegenden weiblichen Akten ist in vier mal vier Rechtecke untergliedert. Jedes davon enthält in sich einen Hell-Dunkel-Verlauf, so dass jeweils nur im mittleren Bereich die eigentlichen Farben gegeben sind. Dadurch bleiben die Figuren sowie die Küstenlandschaft im Hintergrund erkennbar. Den Rahmen hat der Künstler mit Verläufen der im Bild verwendeten Farben ebenfalls in diese Rasterung einbezogen.

Anregungen für „Akte am Strand“ erhielt Segal in Rhewal (poln. Rewal) an der pommerschen Küste, wo er 1920 die Sommerferien verbrachte. Aus dem kubofuturistischen Ansatz entwickelte er in der Folge weitere prismatische und stark abstrahierte Kompositionen.

Auflösung Rätsel 2

Das Detail der zwei Männer paddelnd im Boot auf einem Gewässer gehört zum Hintergrund des Gemäldes „Bildnis des Danziger Senators und Generaldirektors Prof. Dr. Ludwig Noë“ von Otto Dix, das 1928 entstanden ist.

Otto Dix wurde ein Jahr, bevor dieses Kunstwerk entstanden ist, als Professor an die Dresdner Kunstakademie berufen. Doch sein hohes Ansehen ging weit über diese Stelle hinaus, sodass er den bedeutenden Auftrag des Freistaates Danzig für drei Senatorenbildnisse erhielt. Ludwig Noë (Zweibrücken, Pfalz 1871 – 1949 zwischen München und Mirsdorf bei Coburg) war im Danziger Senat für die Staatsbetriebe zuständig und leitete von 1923 bis zu seiner Flucht nach Paris 1939 als Generaldirektor die „International Shipbuilding and Engineering Company“. Dix stellt ihn als große, aufrechte Figur dar. In der Hand hält Noë eine Konstruktionszeichnung von Kraftmaschinen für Schiffsantriebe. Sein Blick ist zielgerichtet nach vorne und links aus dem Bild schauend. Diese Inszenierung lässt Ludwig Noë geradezu als Visionär erscheinen. Seine in altmeisterlicher Öl-Tempera-Lasurtechnik ausgeführte Figur überragt alle Gebäude und Schiffe des Hafens im Hintergrund. So sind die zwei Männer im Boot zwar lediglich ein kleines Detail im Hintergrund des Werkes, jedoch fallen sie dennoch auf. Sie treiben ihr Boot aus eigener Kraft an und nicht durch eine Maschine wie die anderen Schiffe im Bild. Auf latente Weise werden dadurch der technische Fortschritt und Noës Leistungen sichtbar.

 

Otto Dix
(Untermhaus bei Gera 1891 – 1969 Singen)
Bildnis des Danziger Senators und Generaldirektors Prof. Dr. Ludwig Noë, 1928
Tempera und Harzöl auf Leinwand aufgezogen, Sperrholz , 96 x 72 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg,
Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
Inv. Nr. 4987

Auflösung Rätsel 3

 

Ludwig Meidner
(Bernstadt an der Weide (heute: Bierutów, Polen) 1884 – 1966 Darmstadt)
Mondsichellandschaft, 1916
Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, 
Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
Inv. Nr. 2267.2

Die gelbe Mondsichel am nachtblauen Himmel ist titelgebend für Ludwig Meidners Gemälde „Mondsichellandschaft“ von 1916. Das Werk ist aus seinem Zyklus „Apokalyptische Landschaften“, der nicht nur unter dem Einfluss der Schriften Friedrich Nietzsches und expressionistischer Literatur entstanden ist. Vielmehr hatte sich Meidner mit den Bildern von Robert Delaunay, italienischen Futuristen und den „Brücke“-Künstlern auseinandergesetzt und eine düstere Vision entwickelt. Diese Vision stellte das Großstadtleben infrage und veranschaulicht sehr direkt die Schrecken des Ersten Weltkrieges – so auch im ausgewählten Werk. Die Mondsichel ist das Detail im Werk, das Licht bringt und die Nacht erhellt. Damit kommt eine dunkle Szene zum Vorschein: eine beinah menschenleere, düstere und trostlose Stadt, in der Angst und Schrecken herrscht. Einzelne Boote und lediglich drei Männer im unteren Bildbereich sind zu sehen, die angsterfüllt ihre Arme nach oben gestreckt haben, entsetzte Gesichter zeigen und aus der Stadt flüchten. Diese künstlerische Auseinandersetzung mit dem Kriegsgeschehen zeigt sich als Spiegel der damaligen realen Szenen. So fand im Entstehungsjahr des Gemäldes die Schlacht von Verdun statt, ein Höhepunkt im Ersten Weltkrieg. Denn es war der längste und verlustreichste Kampf damals. Hunderttausende sind in dieser deutsch-französischen Schlacht gestorben, die fast zehn Monate andauerte und ohne Entscheidung ausging. 

Auflösung Rätsel 4

Die Dame, die sich am Marktstand Stoffe aussucht, findet sich auf Eduard Gaertners Gemälde „Das Rathaus zu Breslau“ wieder. Sie ist eine von vielen kleinen Figürchen, die sich hier auf dem Markt um das Rathaus Gebäude tummeln. 
Eduard Gaertners ist vor allem für seine Stadtansichten von Berlin aus den 1830er-Jahren bekannt. Auf seinen Reisen nach Russland, Prag sowie West- und Ostpreußen entstanden weitere von solchen sogenannten Veduten. 1847 hielt er sich im schlesischen Liegnitz auf. In dieser Zeit malte er auch das spätgotische Rathaus von Breslau. Das ca. 100 Kilometer entfernte Eulengebirge war drei Jahre zuvor Schauplatz der bekannten schlesischen Weberaufstände gewesen.

Zu dem Gemälde hat sich eine Skizze erhalten, die wohl – wie die Rathausuhr anzeigt – nachmittags kurz vor fünf Uhr entstanden ist. Von einem erhöhten Standpunkt aus erfasste der Künstler die Süd- und Ostfassade des imposanten Baus, der mitten auf dem Marktplatz steht. Bis auf geringfügige Änderungen übernahm er die Anlage der Skizze auch für sein Gemälde. Wahrscheinlich arbeitete er dafür mit einer Camera obscura und übertrug die Unterzeichnung so auf die Leinwand. 

 

Eduard Gaertner
(Berlin 1801 – 1877 Zechlin/Mark)
Das Rathaus zu Breslau, 1847
Öl auf Leinwand, 60 x 82 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg,
Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
Inv. Nr. 18880

Mit freundlicher Unterstützung von