Paweł Althamer

Lovis-Corinth-Preis 2022

3. Juni bis 11. September 2022

Paweł Althamer ist Träger des Lovis-Corinth-Preises 2022. Im Jahr 1967 in Warschau geboren, wurde Althamer in den 1990er Jahren einer der zentralen Vertreter der polnischen Gegenwartskunst. Heute zieht seine Kunst international Aufmerksamkeit auf sich. Die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie gibt einen Einblick in Althamers bisherige Projekte sowie aktuelle Arbeiten.


Für Paweł Althamer ist der Entstehungsprozess genauso wichtig, wie das daraus resultierende Kunstwerk. In den kreativen Vorgang bindet er aktiv andere ein. Seine KollaborateurInnen – z. B. MuseumsbesucherInnen – sieht er dabei als Gleichberechtigte an. Althamer arbeitet regelmäßig mit bestimmten Gruppen zusammen, u.a. mit seiner Familie, seinen NachbarInnen, FreundInnen oder anderen KünstlerInnen.


Den partizipativen Ansatz nutzt Althamer bei seinen sozialen Projekten – aus seiner Position als Künstler engagiert er sich für Benachteiligte und bricht sozial belastete Strukturen auf. So gibt er in Warschau seit Jahren einen Workshop für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Er entwickelt spezielle Projekte mit sozialen Randgruppen, etwa mit Strafgefangenen in „Seitesmän vankia“ (2019-2021). Die BewohnerInnen der sozial schwachen Plattenbausiedlung Bródno am Stadtrand von Warschau, in welcher Althamer selbst auch wohnt, motivierte er, gemeinsam eine temporäre Lichtskulptur zu erschaffen. Das Projekt mit dem Titel „Bródno 2000“ wurde ein großer Erfolg.


Im Rahmen seiner bisher größten Performance „Common Task“ (2009-fortlaufend) hat Althamer wiederholt bis zu 150 Menschen auf Reisen eingeladen. An verschiedenen Orten – in Belgien, Brasilien, Deutschland, Mali oder Weißrussland – tauchte der Künstler mit seiner ganz in Gold gekleideten Gefolgschaft auf und inszenierte, angeregt vom Glauben der Dogon aus Mali, einen Besuch von Außerirdischen.

Auch Althamers skulpturales Werk befasst sich überwiegend mit der menschlichen Figur, wobei seine Techniken von Assemblage über Keramik bis zu Bronzeguss reichen. Immer wieder beschäftigt sich Althamer mit seinem Selbstporträt entweder in einer figürlichen oder in einer performativen Arbeit. Seine Performances sind meditativ bis Bewusstsein erweiternd, er experimentiert mit esoterischen und aufopfernden Grenzüberschreitungen (Kardynal, 1991). Eine spirituelle Dimension ist für Althamers Schaffen charakteristisch, ohne jedoch von einer konkreten religiösen Auffassung geprägt zu sein.

Althamer agiert frei, unorthodox und mystisch. So lässt er sich nicht in eine Kategorie, in eine eindeutig geprägte politische Gesellschaft oder in ein religiöses Korsett drängen – mit Blick auf die aktuelle Regierung in Polen nimmt er eine starke, kritische Haltung ein.

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