Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt

Bedřich Frittas Vermächtnis für seinen Sohn

Kabinettausstellung im Frühjahr/Sommer 2021 (Beginn nach dem Lockdown)

„Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt 22.1.1944“ – so übertitelte der tschechisch-jüdische Grafiker und Karikaturist Bedřich Fritta (1906–1944) das selbstgemalte Buch für seinen Sohn. In den liebevoll gestalteten Motiven schuf der Vater für den Dreijährigen eine heile, farbenfrohe Welt, einen Gegenentwurf zur Realität des Konzentrationslagers „Ghetto Theresienstadt“ (heute Terezín / Tschechien). Das Kinderbuch ist ein eindrucksvolles Zeugnis des Holocaust.

Ein Buch mit einer bewegten Geschichte

Das anrührende Geburtstagsgeschenk blieb in einem Versteck in Theresienstadt erhalten. Fritta hatte es vergraben, bevor er nach Auschwitz deportiert wurde. Angeklagt wurde er wegen Zeichnungen, die die unmenschlichen Bedingungen im KZ bezeugten. Offiziell stellten die Nationalsozialisten Theresienstadt nämlich als einen Vorzeigeort unter Jüdischer Selbstverwaltung dar. Das entsprechende Propagandamaterial sollten künstlerisch begabte Insassen im Zeichensaal des Technischen Büros entwerfen, den Fritta leitete.
Im Gegensatz zu seinem Freund und Künstlerkollegen Otto Haas überlebte Fritta die Deportation nach Auschwitz nicht. Haas war es auch, der nach dem Krieg das Buch barg und Tommy aufnahm. Für Tomáš Fritta-Haas (1941–2015) hatte das Buch sein Leben lang einen unschätzbarem Wert. Es war das einzige Vermächtnis seiner Eltern, die beide 1944 der NS-Terrorherrschaft zum Opfer gefallen waren. Als ein historisches Dokument führt das Kinderbuch heute das unermessliche Unrecht und Leid, das Millionen widerfahren ist, exemplarisch und allgemeinverständlich vor Augen.

Die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Bevor das Buch im Sommer 2021 als Dauerleihgabe an das Jüdische Museum Berlin geht, präsentiert es das KOG im Rahmen des Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nochmals in Regensburg der Öffentlichkeit. Das Museum arbeitet mit dem „Europaeum. Ost-West-Zentrum“ der Universität Regensburg zusammen und hier insbesondere mit Prof. Walter Koschmal, der das Zeitdokument wiederentdeckt und veröffentlicht hat. Die Kabinettausstellung umfasst neben dem Original hochwertige Faksimile der einzelnen Seiten. Der genaue Termin wird bekannt gegeben, sobald die Wiedereröffnung des Museums nach der coronabedingten Schließphase feststeht.

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