Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg





Dr.-Johann-Maier-Straße 5, 93049 Regensburg
Tel.+ 49 (0)941 29714-0, info@kog-regensburg.de
Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, 6 € / 4 € ermäßigt
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Ludwig Richter, Frühlingsmorgen im Lauterbrunner, Tal (Auszug der Sennen), 1827, Öl auf Leinwand,
Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Leihgabe aus Privatbesitz, Foto: Wolfram Schmidt, Regensburg / Kunstforum Ostdeutsche Galerie


17. März bis 23. Juni 2019
„Ludwig Richter und Julius Schnorr von Carolsfeld eine Künstlerfreundschaft“

Ludwig Richters (Dresden 1803–1884 Dresden) Gemälde „Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal (Auszug der Sennen)“ (1827) gehört zu den Vorzeigestücken der deutschen Romantik. Ähnlich wie seine Zeitgenossen Caspar David Friedrich oder Joseph Anton Koch fand auch Richter sein Motiv in den wilden Bergszenerien. Die liebliche Tallandschaft mit einer friedlichen Bauerngesellschaft steht im drastischen Kontrast zu den zerklüfteten Hochgebirgsgipfeln.

Erst vor einigen Jahren gelang es einem Privatsammler durch glückliche Fügung das lange Zeit verschollene Gemälde wiederzuentdecken. Seit 2011 stellt er das renovierte Werk als Leihgabe dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie zur Verfügung.

Bei gemäldetechnologischen Untersuchungen konnten jüngst Unterzeichnungen sichtbar gemacht werden. Die Vorstudien zu den Figurenszenen dokumentieren den Einfluss von Julius Schnorr von Carolsfeld (Leipzig 1794–1872 Dresden), einem Kollegen und Freund Richters, dessen Spezialgebiet die Figurenmalerei war. Die Kabinettausstellung führt den kreativen Austausch der Künstlerfreundschaft anhand der Infrarotreflektografie, ausgewählten Kunstwerken sowie Ludwig Richters Aufzeichnungen vor Augen.


Katharina Sieverding, Deutschland wird deutscher, 1992, Pigmenttransfer auf Metall, Stahlrahmung, 300 x 400 cm (vierteilig),
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg,
Leihgabe des Deutschen Historischen Museums Berlin © Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: © Klaus Mettig,
VG Bild-Kunst, Bonn 2018


26.Mai bis 8. September 2019
„Katharina Sieverding Deutschland wird deutscher“

Seit über fünfzig Jahren agiert Katharina Sieverding (*1944 Prag) mit der Fotografie im Spannungsfeld von Geschichte und Politik, Individuum und Gesellschaft. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg besitzt drei exemplarische Werke dieser herausragenden Lovis-Corinth-Preisträgerin, die wesentlich zur Erweiterung des Kunstbegriffs und der interdisziplinären medialen Kunstpraxis beigetragen hat. „Deutschland wird deutscher“ gelangte 2018 als Dauerleihgabe in das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Erworben wurde die großformatige Fotografie vom Deutschen Historischen Museum Berlin mit Sondermitteln des Deutschen Bundestages und mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Vor dem Hintergrund rechtsradikaler Tendenzen Anfang der 1990er Jahre setzte Sieverding mit ihrer vierteiligen Arbeit „Deutschland wird deutscher“ einen deutlichen Akzent gegen das Aufkeimen nationalistischer Gesinnung. Die inszenierte Fotografie mit einem von Messern bedrohten Selbstbildnis der Künstlerin unter der plakativen Überschrift, die einem „ZEIT“-Artikel entlehnt ist, sollte im Sommer 1992 auf der internationalen Skulpturenausstellung „Platzverführung“ in achtzehn verschiedenen württembergischen Gemeinden präsentiert werden. Aus Sorge um ein öffentliches Missverständnis stimmte allerdings nur eine Gemeinde zu.

Die Ausstellung will sich mit der Entstehungs-, Bedeutungs- und Rezeptionsgeschichte dieser wichtigen Arbeit näher beschäftigen. Versionen von der Vorstufe bis hin zur medienwirksamen Plakatierungsaktion in Berlin 1993 sollen hierbei vorgestellt werden. Denn Sieverdings Werk hat bis heute an Wirkkraft nicht verloren. Die Frage nach der kulturellen und geistigen Identität und Weite der deutschen Nation ist angesichts der politischen Entwicklungen aktueller denn je.



21. Juli bis 8. September 2019
„Verborgene Doppelbilder“

In der Ende 2017 eröffneten Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie konnten einige beidseitig bemalte Gemälde, darunter Werke von Ludwig Meidner, Adolf Hölzel, Otto Mueller oder Conrad Felixmüller, erstmals so installiert werden, dass dauerhaft sowohl die Vorder- als auch die Rückseite zu sehen ist. Die Kabinettausstellung knüpft an diesen Aspekt an und versammelt weitere solche Werke, die nicht in die Dauerausstellung aufgenommen werden konnten wie Arbeiten von Moriz Melzer, Jakob Steinhardt, Max Radler, Ida Kerkovius oder Arbeiten, die hier nur mit der Vorderseite integriert sind, wie Hans Fronius‘ „Mauthausen 1945“ von 1982.

Die beidseitige Präsentation vermittelt nicht nur einen kompletten Eindruck von dem jeweiligen Gemälde. Oft ist es gerade die Rückseite mit interessanten Notizen, Stempeln oder Klebezetteln, die wichtige Hinweise auf Herkunft, Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte liefert. Die Kabinettausstellung schlüsselt beispielhaft solche Spuren auf und gibt dem Besucher Einblick in diesen beinahe detektivischen Bereich der kunsthistorischen Arbeit. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund der Provenienzrecherche am Kunstforum Ostdeutsche Galerie, die ab Dezember 2018 mit einer eigens dafür errichteten Stelle beginnt – diese wird gefördert vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg und von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern.


Renée Sintenis, Joachim Ringelnatz, 1923, Bronze,
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Wolfram Schmidt, Regensburg / Kunstforum Ostdeutsche Galerie


12. Oktober 2019 bis 12. Januar 2020
„Zwischen Freiheit und Moderne. Die Bildhauerin Renée Sintenis“

Renée Sintenis (Glatz, Schlesien 1888–1965 Berlin) gehört zur ersten Generation von Frauen, die die Bildhauerei professionell ausüben durften. Vor allem ihre kleinformatigen Tierplastiken machten sie zur gefragten Künstlerin. Zudem gilt sie als meistfotografierte Frau der Weimarer Republik: Ihre große, schlanke Erscheinung im Herrenanzug mit Bubikopf verkörperte den Inbegriff der „Neuen Frau“ der 1920er Jahre und machte sie zum androgynen Medienstar.

Ab 1905 lebte Sintenis in der Kunstmetropole Berlin. Der Stadt ist sie Zeit ihres Lebens treu geblieben. Höchsten Ausdruck findet die tiefe Verbundenheit im „Berliner Bär“, ihrem wohl bekanntesten Werk. Die plastische Umsetzung des Berliner Wappentieres wurde zum Hauptwerk der letzten beiden Lebensjahrzehnte der Künstlerin. Der Bär mit den erhobenen Tatzen avancierte in den 1950ern zur Symbolfigur der Stadt. Seither wird eine kleinere Version, der Berlinale Bär, bei den Berliner Filmfestspielen als Trophäe vergeben.

Die Ausstellung nähert sich dem Œuvre von Renée Sintenis aus unterschiedlichen Perspektiven. Mehr als die Hälfte ihrer Werke stellen kleinformatige Tierplastiken dar, dies spiegeln auch die knapp 100 Ausstellungsobjekte wider. Doch nur mit den vielzähligen Frauen-, Knaben- und Sportlerfiguren sowie den Porträts und grafischen Arbeiten wird ihrem komplexen Schaffen vollständig Rechnung getragen. Neben Werken aus der eigenen Sammlung machen bedeutende Leihgaben die in dieser Ausstellung gezeigte breite Fülle ihres Schaffens möglich.