Provenienzforschung

Was ist Provenienzforschung?

Stempel, Aufkleber oder Beschriftungen, die an Kunstwerken zu finden sind, liefern oft wichtige Hinweise zur Herkunft. Solche Anhaltspunkte werden mit Informationen aus Archivbeständen, Kaufverträgen, Publikationen oder Auktionskatalogen kombiniert. Im Idealfall lassen sich so die Besitzverhältnisse eines Kunstwerkes rekonstruieren. Das Erstellen solcher möglichst vollständiger „Werk-Biografien“ ist die Aufgabe der Provenienzforschung.

Es geht also um das Sichtbarmachen und Darstellen wechselnder Eigentumsverhältnisse und Herkunftsgeschichten von Kulturgütern. Besonders aufklärungsbedürftig sind dabei solche Fälle, wo rechtswidriges Handeln im Spiel ist – wie z. B. bei Kolonialen Entzugskontexten oder Entzugskontexten in der ehemaligen DDR, aber auch bei aktuellen Kulturgutverlagerungen. In Deutschland liegt der Fokus auf der der NS-Zeit. Das Ziel ist es, Kulturgüter ausfindig zu machen, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden, deren Vorkriegseigentümer oder ihre Erben aufzuspüren und eine „gerechte und faire Lösung zu finden“. Das ist der Kern der so genannten Washingtoner Prinzipien von 1998, denen die Bundesrepublik Deutschland folgt.

Provenienzrecherche im KOG

Über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahren konnte am Kunstforum Ostdeutsche Galerie dank aufeinanderfolgender Drittmittelprojekte eine Stelle für Provenienzforschung finanziert werden. Die spezialisierte Kunsthistorikerin Natascha Mazur M.A. untersuchte in dieser Zeit priorisierte Werkbestände mit Provenienzlücken in den Jahren 1933 bis 1945. Ziel ihrer Arbeit war es, wechselnde Eigentumsverhältnisse zu rekonstruieren, um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu identifizieren oder einen solchen Entzug auszuschließen.

Das erste Teilprojekt war für zwei Jahre bis November 2020 ausgelegt und wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern gefördert. Dank einer Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien konnte das Museum ab Dezember 2020 die Provenienzforschung zunächst für weitere zwei Jahre fortsetzen. Anschließend hat der Bund das Projekt bis Mitte Februar 2026 verlängert.

Provenienzampel auf orange: zwei Meldungen in der Lost Art-Datenbank

Während des ersten Projekts (2018-2020) hat Provenienzforscherin Natascha Mazur M.A. insgesamt 146 Gemälden aus stiftungseigenen Gemäldebeständen untersucht. Bei 38 Gemälden konnte eine einwandfreie Provenienz belegt werden – auf der Provenienzampel liegen sie im grünen Bereich. Weitere 106 Werke fallen in den gelben Bereich der Ampel. Ihre Provenienz im untersuchten Zeitraum gelang es trotz intensiver Forschung nur lückenhaft darzustellen. Jedoch haben sich während der Recherche keine konkreten Anhaltspunkte für einen NS-verfolgungsbedingten Entzug ergeben.

Zwei Gemälde stufte Mazur in die orangefarbene Kategorie ein. Ihre Provenienz gilt als bedenklich. Es betrifft das beidseitig bemalte Gemälde von Jakob Steinhardt „Leichenzug (Straßenzug) / Dorf (Zerkow)“ aus dem Jahr 1922/1924 und das Gemälde „Auszug der ostpreußischen Landwehr ins Feld 1813“ aus dem Jahr 1860/1861 von Gustav Graef. Bei beiden Werken ist ihr Verblieb zwischen 1933 und 1945 nicht vollständig nachzuvollziehen, vor 1933 befanden sie sich in jüdischem Besitz. Bislang konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, dass es sich tatsächlich um sogenannte NS-Raubkunst handelt.

Aufgrund der offenen Fragen übermittelte das Museum die Daten an die Lost Art-Datenbank. Seit dem 02.12.2020 sind sie hier unter den Lost Art ID-Nummern „592582“ und „592583“ als Fundmeldungen gelistet. Die vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste angelegte Datenbank sammelt alle Such- und Fundmeldungen zu jeglichen während der NS-Zeit verschollenen Kulturgütern, um die Aufklärung der Fälle möglichst zu fördern.

 

Projekt zu den Leihgaben der Bundesrepublik Deutschland

Im Mittelpunkt des zweiten Projekts standen die Leihgaben der Bundesrepublik Deutschland, die sich dauerhaft im KOG befinden. Rund die Hälfte dieses Bestandes, 772 Kunstwerke, ist vor 1945 entstanden und ihr Verbleib in den Jahren 1933 bis 1945 ist nicht vollständig geklärt. Von der Gesamtmenge konnte Natascha Mazur 217 Kunstwerke erforschen. Die untersuchten Gemälde und grafischen Arbeiten wurden den Kategorien „Grün“ – einwandfreie Provenienz – und „Gelb“ – Provenienz trotz intensiver Recherche lückenhaft – zugeordnet. Solche nicht abgeschlossenen Fälle spiegeln den aktuellen Forschungsstand wider und verweisen zugleich auf die Grenzen der derzeitigen Quellenlage. Provenienzforschung ist als fortlaufender Prozess zu verstehen, der mit neuen Erkenntnissen jederzeit weitergeführt werden kann.

Pressemitteilungen

| Provenienzforschung

Provenienzforscherin Natascha Mazur gibt einen abschließenden Überblick zu den Herkunftsgeschichten von Kunstwerken des Kunstforums Ostdeutsche Galerie

Seit 2018 hat das Kunstforum Ostdeutsche Galerie die Herkunft von Kunstwerken in seiner Sammlung systematisch erforscht. Die hierfür eingerichtete Stelle für Provenienzforschung wurde zunächst vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern finanziert. Anschließend übernahm die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien die Förderung. Auch dieses zeitlich begrenzte Projekt läuft nun aus und Provenienzforscherin Natascha Mazur schließt ihre Recherchen ab. Am Donnerstag, 29. Januar, gibt sie einen zusammenfassenden Überblick über die Ergebnisse ihrer Forschung. Ihre Führung beginnt um 18.30 Uhr.

Grün, Orange, Rot – die so genannte Provenienzampel veranschaulicht, wie die Herkunftsgeschichte eines Kunstwerks zu bewerten ist. Die Provenienzforschung rekonstruiert die Besitzverhältnisse von Kunstobjekten, um eventuelle NS-Raubkunst aufzudecken.

Während ihrer Provenienzrecherche am Kunstforum Ostdeutsche Galerie konnte die spezialisierte Kunsthistorikerin Natascha Mazur M.A. viele der untersuchten Fälle mit „Grün“ abschließen. Dem aktuellen Stand ihrer Untersuchungen zufolge ist keines der Werke als „Rot“ auszuweisen. Zwei Gemälde ordnete Mazur der Kategorie „Orange“ zu. Beide Werke befanden sich vor 1933 in jüdischem Besitz. Ihr Verbleib im kritischen Zeitraum bis 1945 gelang es nicht vollständig nachzuvollziehen, um ausschließen, dass sie ihren rechtmäßigen Eigentümern NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden. Diese beiden Werke registrierte Mazur deshalb auf der Plattform Lost Art. Die vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste angelegte Datenbank sammelt alle Such- und Fundmeldungen zu jeglichen während der NS-Zeit verschollenen Kulturgütern, um die Aufklärung ihres Verbleibs zu fördern.

Die Provenienzforschung ist ein Prozess, der nicht gleich zum Ergebnis führen muss. „In erster Linie geht es darum, so viele Indizien wie zum gegebenen Zeitpunkt möglich zu sammeln und zu dokumentieren,“ erklärt Natascha Mazur. So können so genannte Provenienzlücken jederzeit in der Zukunft mit neuen Erkenntnissen geschlossen werden. „Was mich bei meiner Arbeit am meisten berührt, sind die menschlichen Schicksale, die mit den „Biografien“ der Kunstwerke verbunden sind,“ ergänzt die Provenienzforscherin. „Schicksale von Künstlern und Künstlerinnen, Sammlern und Sammlerinnen.“ In ihrer letzten Führung am Kunstforum Ostdeutsche Galerie zeigt Natascha Mazur an ausgewählten Kunstwerken in der Dauerausstellung die unterschiedlichsten Wege, über die sie in die Sammlung des KOG gelangten. Aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl wird eine Platzreservierung unter www.kunstforum.net oder unter 0941 29 714 20 empfohlen.

Pressebilder

Das Bildmaterial darf ausschließlich im Rahmen der Ankündigung der Führung am 29. Januar 2026 mit Provenienzforscherin Natascha Mazur im Kunstforum Ostdeutsche Galerie verwendet werden. Die Nutzung ist kostenlos. Die Bildunterschriften bitten wir nach Möglichkeit komplett darzustellen. Die Nutzung der Abbildungen für Social Media ist ohne Genehmigung nicht zulässig.

Rückseite des Gemäldes „Stehender Mädchenakt“ von Rudolf Levy
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Rückseite des Gemäldes „Stehender Mädchenakt“ von Rudolf Levy, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leihgabe des Bundesrepublik Deutschland, Foto: KOG / Gabriela Kašková

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Provenienzforscherin Natascha Mazur mit der Rückseite des Gemäldes „Stehender Mädchenakt“ von Rudolf Levy,
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Provenienzforscherin Natascha Mazur mit der Rückseite des Gemäldes „Stehender Mädchenakt“ von Rudolf Levy, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leihgabe des Bundesrepublik Deutschland Foto: KOG / Gabriela Kašková

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