Der 13. Januar ist für Paul Bergmann ein Schicksalsdatum, es ist zugleich sein Geburts- und sein Todestag. Doch diese magische Verquickung von Anfang und Ende scheint das Spektakulärste an seinem „gewöhnlichen“ Leben zu sein. Paul wächst in München auf, seinen Zivildienst leistet er in Dachau, wo er dem KZ-Überlebenden Max Mannheimer begegnet. Die Arbeit als Dozent des Goethe-Instituts führt ihn für mehrere Jahre nach New York und Sydney, insbesondere Prag wird zu einem wichtigen Ort für ihn. Große Abenteuer bleiben aus. Doch ist Paul jemand, der das Geschehen um sich feinfühlig bis ins Detail durchdringt und das Erlebte in sich aufsaugt. Seine intensiven Erinnerungen teilt er mit einem alten Schulfreund, der zum Erzähler von Pauls Geschichte wird.
Vielleicht ist es gerade diese Gabe, die der Hauptfigur des Romans „Über den Dächern von Dachau“ (2025) und dem Autor Peter Becher gemeinsam ist. Einzelne Begebenheiten tragen autobiografische Züge. „Das Vexierspiel zwischen mir als Autor, dem Erzähler der Zwischentexte und der Romanfigur Paul ist bewusst als Verfremdung angelegt, die eine vorschnelle Übertragung verhindern soll und zugleich damit spielt,“ beschreibt Peter Becher. Seinen Roman, den man durchaus auch einzelne Geschichten lesen kann, stellt Becher am Donnerstag, 1. Oktober, im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg vor. Die Lesung beginnt um 18.30 Uhr im Museumsfoyer. Im Anschluss wird es Gelegenheit geben, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme ist kostenlos nach vorheriger Anmeldung unter www.kunstforum.net oder telefonisch unter 09412971420.
Peter Becher (*1952) hat in München Germanistik und Geschichte studiert und über das Ende der Donaumonarchie promoviert. Von 1986 bis 2018 war er Geschäftsführer, seit 2019 ist er Vorsitzender des Adalbert Stifter Vereins. In dieser Position ist er langjähriges Mitglied des Stiftungsrates des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. Becher ist Mitglied des tschechischen PEN-Klubs und hat die Biografie Adalbert Stifter, Sehnsucht nach Harmonie (2005) und den Essayband Der Löwe vom Vyšehrad (2012) publiziert. 2005 gab er ebenfalls gemeinsam mit der Olmützer Germanistin Ingeborg Fiala-Fürst den Sammelband Literatur unter dem Hakenkreuz. Böhmen und Mähren 1938–1945 heraus. Als Herausgeber war er an den Sammelbänden Kakanische Kontexte. Reden über die Mitte Europas (2014), Handbuch der deutschen Literatur Prags und der böhmischen Länder (2017) und Zwischen Trauer und Triumph. Das Jahr 1918 in der mitteleuropäischen Literatur (2018) beteiligt. Im April 2019 war er Stipendiat des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren. Ende 2022 ist Peter Bechers Roman „Unter dem steinernen Meer“ erschienen, aus dem er 2023 im KOG vorgelesen hat.
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