Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt

Bedřich Frittas Vermächtnis für seinen Sohn

Ausstellung verlängert bis 8. August 2021

„Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt 22.1.1944“ – so übertitelte der tschechisch-jüdische Grafiker und Karikaturist Bedřich Fritta (1906–1944) das selbstgemalte Buch für seinen Sohn. In den liebevoll gestalteten Motiven schuf der Vater für den Dreijährigen eine heile, farbenfrohe Welt, einen Gegenentwurf zur Realität des Konzentrationslagers „Ghetto Theresienstadt“ (heute Terezín / Tschechien). Das Kinderbuch ist ein eindrucksvolles Zeugnis des Holocaust.

Ein Buch mit einer bewegten Geschichte

Das anrührende Geburtstagsgeschenk blieb in einem Versteck in Theresienstadt erhalten. Fritta hatte es vergraben, bevor er nach Auschwitz deportiert wurde. Angeklagt wurde er wegen Zeichnungen, die die unmenschlichen Bedingungen im KZ bezeugten. Offiziell stellten die Nationalsozialisten Theresienstadt nämlich als einen Vorzeigeort unter Jüdischer Selbstverwaltung dar. Das entsprechende Propagandamaterial sollten künstlerisch begabte Insassen im Zeichensaal des Technischen Büros entwerfen, den Fritta leitete.
Im Gegensatz zu seinem Freund und Künstlerkollegen Leo Haas überlebte Fritta die Deportation nach Auschwitz nicht. Haas war es auch, der nach dem Krieg das Buch barg und Tommy aufnahm. Für Tomáš Fritta-Haas (1941–2015) hatte das Buch sein Leben lang einen unschätzbaren Wert. Es war das einzige Vermächtnis seiner Eltern, die beide 1944 der NS-Terrorherrschaft zum Opfer gefallen waren. Als ein historisches Dokument führt das Kinderbuch heute das unermessliche Unrecht und Leid, das Millionen widerfahren ist, exemplarisch und allgemeinverständlich vor Augen.

Die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Bevor das Buch im Sommer 2021 als Dauerleihgabe an das Jüdische Museum Berlin geht, präsentiert es das KOG im Rahmen des Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nochmals in Regensburg der Öffentlichkeit. Die Ausstellung wird auf dem gemeinsamen Themenportal zu diesem Thema vorgestellt, das vom Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute AsKI e.V. erstellt wurde.

Das KOG arbeitet mit dem „Europaeum. Ost-West-Zentrum“ der Universität Regensburg zusammen und hier insbesondere mit Prof. Walter Koschmal, der das Zeitdokument wiederentdeckt und veröffentlicht hat. Die Kabinettausstellung umfasst neben dem Original hochwertige Faksimile der einzelnen Seiten.

Unterrichtsmaterial

Zu dem Buch ist eine Handreichung für Erwachsenenbildung sowie ein Unterrichtsvorschlag für Grundschulen verfügbar.

Infos zu Unterrichtsmaterial

TSURIKRUFN!

Digitales AsKI-Gemeinschaftsprojekt
zum Festjahr „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“

„Tsurikrufn“ ist jiddisch und bedeutet „erinnern“. Erinnern möchte der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. - AsKI im Festjahr 2021 an die vielen jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die das kulturelle Leben in Deutschland bereichert haben. Für dieses digitale Gemeinschaftsprojekt haben die Mitgliedsinstitute des AsKI e.V. ihre Archive geöffnet. Sie erzählen auf der Website www.tsurikrufn.de beeindruckende Geschichten von Jüdinnen und Juden, die für ihr Haus eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie beleuchtet die Biografie von Bedřich Fritta. Das Buch, das er für seinen dreijährigen Sohn gezeichnet hat, ist in der aktuellen Ausstellung "Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt" im KOG zu sehen.

Mit freundlicher Unterstützung von