Wachsen und Vergehen

Sieglinde Bottesch – Bernard Schultze

8. Oktober 2022 bis 8. Januar 2023


Auf den ersten Blick haben die naturfarbenen stillen Objekte von Sieglinde Bottesch (*1938) und die meist bunten, wild in den Raum wachsenden Arbeiten von Bernard Schultze (1915–2005) nur wenige Ähnlichkeiten. Doch im Wesen sind sie miteinander verwandt: Beide sind sie an der Nahtstelle zwischen Kunst und Natur angesiedelt. Das macht auch ihren Reiz aus – die künstlichen Formen vermitteln das Gefühl lebendiger Geschöpfe und ihrer Verwandlungen. Der Titel „Wachsen und Vergehen“ ist Ausgangspunkt und Motto der Ausstellung, die beide Künstlerpositionen gegenüberstellt.

Die Bildhauerin und Grafikerin Sieglinde Bottesch, geboren in Hermannstadt (heute Sibiu, Rumänien), beschäftigt sich insbesondere seit ihrer Emigration nach Deutschland im Jahr 1987 mit der Natur und deren Prozessen. Von inneren Impulsen ausgehend erfasst sie die Zwischenstadien des Seins – die Übergänge, ohne diese genau zu definieren. Aus Keraquick, Gips, Gipsbinden, aber auch Chinapapier und Naturmaterialien entwickelt sie seit 2000 plastische Arbeiten, die wie rätselhafte, in sich ruhende Wesen aussehen – mal tierähnlich, mal an Pflanzen erinnernd. Auch ihre grafischen Kompositionen bewegen sich zwischen Motiv und Abstraktion.

BERNARD SCHULTZE war im Jahr 1952 Mitbegründer der Künstlergemeinschaft Quadriga und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter der abstrakten Stilrichtung des Informel in Deutschland. Trotz eines vom Unterbewusstsein gesteuerten Herstellungsprozesses bleiben seine abstrakten Grafiken, (Relief-)bilder und Skulpturen assoziativ und verweisen auf traumhafte Gegenwelten. Mitte der 1950er Jahre begann er, zweidimensionale Arbeiten durch Einklebungen plastisch in den Raum zu erweitern. Das erste vollplastische Objekt, den so genannten
„Migof“, schuf er 1961. Mit dieser Wortneuschöpfung bezeichnete der aus Schneidemühl (heute Piła, Polen) stammende Künstler seine Kreaturen, die in seinen Worten „die Heiterkeit nach der Katastrophe“ verkörpern.

Sieglinde Bottesch, Ei-Sprung, 2011 Gips, poliert, Archiv der Künstlerin © Sieglinde Bottesch Foto: Reinhard Dorn
Sieglinde Bottesch Verwoben 2012 Chinapapier, Sisalfaser, Archiv der Künstlerin © Sieglinde Bottesch Foto: Hubert Klotzeck

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