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Noch bis zum 14. September im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Noch bis zum Sonntag, 14. September, zeigt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie die Ausstellung „Bernhard Heisig und Breslau“. Sie bietet eine einzigartige Gelegenheit, die ausdrucksstarken Gemälde des Künstlers im Original zu sehen. Erst wenn man von Bild zu Bild wandelt, erschließt sich das Besondere an Heisigs Malerei. Wie im Alptraum kehren verschiedene Motive immer wieder: ein Kaleidoskop aus Erinnerungsbildern an die Festung Breslau kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Bernhard Heisig hatte die Zerstörung seiner Geburtsstadt erlebt, mit 20 Jahren, als Mitglied der SS-Panzerdivision-Hitlerjugend. Entsetzen über das Geschehene aber auch über die Verblendung durch den Nationalsozialismus spiegeln sich in seiner Kunst wider.

„Festung Breslau. Die Stadt und ihre Mörder“ – das Gemälde mit diesem Titel war der Ausgangspunkt für die Ausstellung „Bernhard Heisig und Breslau“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Als Leihgabe aus dem Lindenau-Museum Altenburg prägt es schon seit einigen Jahren die Dauerausstellung im KOG mit. Es war das erste Bild, das Bernhard Heisig (1925–2011) seiner während des Zweiten Weltkriegs geschundenen Geburtsstadt Breslau (heute polnisch Wrocław) widmete. Wie das Gemälde im Entstehungsjahr 1968 aussah, zeigt nur noch eine Schwarz-weiß-Fotografie. Heisig übermalte es nämlich gleich ein Jahr später. Diese Fassung veränderte er nochmals 1977, bevor er das Werk auf der documenta ausstellte. Als es danach ins Lindenau-Museum zurückkehrte, war das Entsetzen groß, denn der Eingriff war keineswegs abgestimmt.

Für ein solches Übermalen seiner Gemälde – manchmal auch direkt im Museum – ist Bernhard Heisig bekannt und berüchtigt gewesen. Es gehörte zu seinem Schaffensprozess genauso wie die gleichzeitige Arbeit an verschiedenen Varianten eines Motivs. Diese Suche nach dem treffenden Ausdruck für seine traumatischen Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs kann man sowohl aus künstlerischer als auch aus psychologischer Sicht nachvollziehen. In der Regensburger Ausstellung hängen neben „Festung Breslau“ zwei andere Gemälde mit dem gleichen Bildaufbau. Während sich im Hintergrund der Blick auf die Breslauer Dom-Insel mit Oder-Brücke unter schwarzem Himmel öffnet, zieht im Vordergrund eine Figurengruppe die Aufmerksamkeit auf sich: drei oder vier Uniformierte, darunter Gauleiter Karl Hanke. Er war es, der auf Hitlers Befehl die aussichtslose Verteidigung der Festung vorantrieb, ohne Rücksicht auf Verluste an Zivilistenleben. Um den Vormarsch der Roten Armee zu erschweren, ließ er weite Teile der Stadt zerstören, die sowjetischen Bombardements gaben Breslau den Rest. Unten rechts malte Heisig sich selbst – mal als Kindersoldaten, der panisch um sich schießt, mal als an der Waffe zielenden Soldaten, dessen Augenbinde ihn gegen den Ruß der brennenden Stadt schützt. Zwei der Werke, darunter auch „Die Stadt und ihre Mörder“, zeigen zudem eine nackte Frau. An ein Bett gefesselt, mit dem Mund zum Schrei verzogen, steht sie im doppelten Sinn für die Schändung – als Frau aus Fleisch und Blut und als Personifikation der Stadt Breslau.

Die Wirkkraft von Bernhard Heisigs Kunst entfaltet sich in der Zusammenschau mit weiteren Gemälden sowie Druckgrafiken. Immer wieder begegnet das gleiche Breslau-Panorama sowie einzelne Figuren, insbesondere Hanke als Inbegriff des Kriegswahnsinns. Auch manche Gegenstände finden sich mehrfach wie Lautsprecher und verschiedene Blasinstrumente, die an die Propaganda-Medien und die gleichschaltende Marschmusik erinnern. Alles scheint sich im Kreis zu drehen. In seinen so genannten „Atelierbildern“ hält Heisig diesen Zustand fest: Er zeigt sich in seinem Leipziger Atelier überwältigt von seinen verkörperten Erinnerungen und Schreckensbildern.

Als einer der wenigen deutschen Künstler machte Bernhard Heisig seine Kriegserfahrung und die Verblendung durch den Nationalsozialismus zum Hauptthema seiner Kunst. Mit zu denken bleibt dabei, dass sein komplettes Schaffen in der DDR entstanden ist. Zwar hatte sich Heisig keinesfalls dem Sozialistischen Realismus verschrieben und auch seine drastische Art der Erinnerung entsprach nicht dem Zukunftsoptimismus, der auf den Aufbau des Sozialismus ausgerichtet war. Doch trotz seiner kritischen Forderung nach mehr künstlerischer Freiheit, für die er von der DDR-Regierung zur öffentlichen Selbstkritik gezwungen wurde, bewegte er sich als SED-Mitglied im Wesentlichen nicht außerhalb des Rahmens, der durch die Partei vorgegeben war. Dr. Eckhart Gillen, der zusammen mit Direktorin Dr. Agnes Tieze die Regensburger Ausstellung kuratierte, betont, dass gerade jene „Reibung“ an den Gegebenheiten der DDR für Heisigs Kunst wichtig war.

Die Ausstellung „Bernhard Heisig und Breslau“ ist noch bis Sonntag, 14. September, zu sehen. Sehr zu empfehlen ist, in das Interview von Dr. Eckhart Gillen mit Bernhard Heisig hineinzuhören. Geführt hatte er es im Jahr 2000 im Zuge seiner Dissertation. Der Zusammenschnitt ist exklusiv für die Regensburger Präsentation entstanden, nachdem das Material vom Archiv Bildende Kunst an der Akademie der Künste, Berlin digitalisiert wurde. Führungen finden am Sonntag, 24. und 31. August statt, sowie am 7. und 14. September um 15 Uhr. Kostenlose Kurzführungen gibt es am Mittwoch, 27. August und 10. September um 13 Uhr.

 

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bedankt sich bei den Zuwendungsgebern und Sponsoren der Ausstellung:

  • Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
  • Stadt Regensburg
  • REWAG Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co
  • Sparkasse Regensburg
  • Donau-Einkaufszentrum GmbH

Weitere Unterstützung durch:

  • Jepsen Betriebs GmbH & Co. KG
  • Krones AG
  • Hotel Jakob                                            

Herzlicher Dank gebührt dem Kulturpartner BR 2.
 

PRESSEBILDER

Das Bildmaterial darf ausschließlich im Rahmen der Berichterstattung über die Ausstellung „Bernhard Heisig und Breslau“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie genutzt werden. Die Bilder stehen während der Laufzeit der Ausstellung vom 24.5. bis 14.9.2025 kostenfrei zur Verfügung, sowie sechs Wochen nach Ausstellungsende. Die Werke müssen vollständig, also nicht beschnitten und unverändert abgebildet werden. Die Bildunterschrift soll komplett dargestellt werden inkl. Copyrightvermerk. Die Nutzung der Abbildungen für Social Media ist ohne Genehmigung nicht zulässig und zudem grundsätzlich kostenpflichtig. Über die gebührenfreie Verwendung laut den Vorgaben der VG Bild-Kunst informieren Sie sich bitte zusätzlich unter: http://www.bildkunst.de/vg-bild-kunst/tarife.html bzw. unter info@bildkunst.de.

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