Der Leidenschaft, Kunst zu sammeln, ist Hans-Peter Riese schon in jungen Jahren verfallen. Angetan hatte es ihm insbesondere die Konkrete Kunst. Bereits früh warf er den Blick auch Richtung östliches Europa. So organisierte er 1967 noch als Student der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M. die Ausstellung „Konstruktive Tendenzen aus der Tschechoslowakei“. Seine Interessen machte der Journalist zu seinem Beruf. Seit Ende der 1960er Jahre war er für verschiedene deutsche Medien tätig. Allein für die FAZ schrieb er vier Jahrzehnte lang Feuilleton-Beiträge zur Kunst und Kultur in Mittel- und Osteuropa.
Als Kulturkorrespondenten arbeiteten Hans-Peter Riese und seine Frau Michaela Riese (Breslau / Wrocław, Polen 1943 – 2000 Washington D.C.) zunächst von 1970/1971 bis zu ihrer Ausweisung 1973 in Prag, von 1985/1986 bis 1991 in Moskau. Sowohl in der Tschechoslowakei als auch in der Sowjetunion suchten sie persönliche Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern, um die Kultur der Länder besser kennenzulernen. Die spannenden Positionen entdeckten sie dabei im Untergrund abseits der offiziellen, regimekonformen Szene. Vielfach entstanden Freundschaften, einige lebenslängliche. „[D]ie Künstler aus Prag, Bratislava, Ostrava und Moskau [sind] vielleicht deshalb so enge Freunde geworden, weil wir sie zum Teil in sehr schwierigen Situationen kennengelernt haben und immer ihr Schicksal vor Augen hatten, das ihnen abforderte, ihre ganze Existenz für ihre Kunst aufs Spiel setzen zu müssen.“ So schrieb Hans-Peter Riese im Katalog, der 2008 zur Gründung der Michaela Riese Stiftung im KOG erschien.
Mit der Michaela Riese Stiftung überreichte Hans-Peter Riese dem Regensburger Museum eine Auswahl an Werken deutscher, polnischer, russischer, slowakischer und insbesondere tschechischer Künstler. Der erste Teil der Stiftung umfasste 20 Mappen mit grafischen Blättern. Später kamen weitere Papierarbeiten sowie Skulpturen bzw. Plastiken und Gemälde hinzu, darunter Werke von Jan Kubíček, Zdeněk Sýkora, Nikolai Michailowitsch Suetin und Miloš Urbásek. Heute zählt die Stiftung knapp 300 Inventarnummern. Die Auswahl spiegelt eindrucksvoll wider, dass es trotz politischer Trennungen parallele künstlerische Entwicklungen im kommunistisch dominierten Ostblock und im westlichen Europa gab.
Die Führung „Kreuz und quer und linear“ am Donnerstag, 21. Mai um 18.30 Uhr, rückt einige Kunstwerke tschechischer und slowakischer Künstler in den Mittelpunkt. Neben Werken in der Dauerausstellung des Museums bekommen die Besucherinnen und Besucher exklusiv ausgewählte Papierarbeiten aus dem Depot zu sehen. Dr. Mona Stocker, Sammlungsleiterin Gemälde / Skulptur, lenkt den Blick auf die im Westen weniger bekannten Maler und Grafiker und zeigt spannende internationale Vergleiche und Zusammenhänge auf. Zu der Führung lädt das KOG anlässlich des 85. Geburtstags von Hans-Peter Riese ein, der persönlich anwesend sein und von seinen Begegnungen mit den Künstlern erzählen wird. Platzreservierung wird empfohlen unter www.kunstforum.net oder 0941 29 714 20.
PRESSEBILD
Das Bildmaterial darf nur für die aktuelle Berichterstattung anlässlich des Jubiläums von Hans-Peter Riese genutzt werden. Die Bildunterschrift bitten wir möglichst komplett darzustellen.
