Der Fotograf Michael Bry, die Konzeptkünstlerin Alina Buga, der Installationskünstler und Grafiker Peter Dorn sowie die Malerin und Grafikerin Annette Lucks verbinden zwei Dinge – ihr Bezug zu Regensburg und ihre Wurzeln im östlichen Europa. In der Ausstellung „Hier und Jetzt“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie begegnen sich alle vier in der abwechslungsreichen Präsentation ihrer Werke.
Michael Bry (*1924 Breslau, heute Wrocław/Polen) ist mit Schwarz-Weiß-Fotografien vertreten. Als der heute 100-Jährige 2005 nach Regensburg kam, brachte er sein beachtliches Lebenswerk mit und vertraute es dem KOG an. Die Auswahl in der Ausstellung „Hier und Jetzt“ zeigt an herausragenden Beispielen, was Brys Kunst auszeichnet: der sichere Blick für das Besondere des „Hier und Jetzt“. Er erfasst insbesondere Menschen in ihrem Alltag – Jungs auf der „24th Street“ in San Franzisco im Gespräch vertieft, während ihr Hund für den Fotografen posiert, Hippies in Berkeley Polizisten Blumen überreichend, Fischer ihre Netzte auswerfend auf Kuba – aber auch eindrucksvolle Landschaftsszenen.
Auch die Konzeptkünstlerin Alina Buga (*1971 Kreis Vrancea/Rumänien) arbeitet mit Fotografie. Ihre Bilder sind Momentaufnahmen, die Zustände ihres künstlerischen Prozesses festhalten – sie spricht von „Fotoperformances“. So ist auf dem hinterleuchteten Foto „PIPELINE (#1 CHAOS Donaumündung)“ das Wort „Chaos“ erkennbar, geschrieben mit Altöl auf wassergetränktem Erdboden. Die beiden Flüssigkeiten sowie die Fließbewegung in der „Pipeline“ versteht die Künstlerin als Symbole für Umweltverschmutzung aber auch für den Missbrauch von Macht. Unterlegt mit umfangreicher Recherchearbeit baut sie auf ihnen ein ganzes Netzwerk an Bedeutungen auf. All diese Themen vereint Buga in ihrer Installation „Relationship Performance“, die sie eigens für die Ausstellung im KOG entwarf. In diesem mentalen Modell der Donau in Rumänien – mit Delta und einem Teil des Schwarzen Meeres, deutet sie die Bedrohung durch Chemikalien als auch durch russische Machtansprüche an.
Annette Lucks` (*1952 Regensburg) bevorzugte Ausdrucksformen sind hingegen Zeichnung und Malerei, die sie allerdings gerne mischt und kombiniert. Während Bry Menschen und Natur beobachtet und Buga Probleme unserer Zeit erfasst, wendet Lucks den Blick nach innen. Sie befreit sich von der erlernten, „richtigen“, also naturgetreuen Darstellungsweise und folgt dem vielschichtigen Wahrnehmen und Empfinden. Ihre Arbeiten wirken wie ein Geflecht aus Linien und Farben, oft collageartig zusammengefügt, das stellenweise zu erkennbaren Formen kristallisiert. Der größten Arbeit, dem mehrteiligen Gemälde „Eine Girlande zur Befreiung von Kiew“ aus dem Jahr 2022, stellt Lucks „Ein Gedeck für Lebende und Tote“ gegenüber, eine Komposition aus 21 bemalten Tonobjekten.
Peter Dorn (*1938 Aussig, heute Ústí nad Labem/Tschechien – 2024 Bamberg) schöpfte das Potenzial von vorgefundenem Material aus. Verschiedene, oft unbrauchbare Reste sowie Produkte „von der Stange“ ordnete er in rhythmischen Strukturen an und schuf so ein neues Ganzes mit ästhetischer Qualität. Ähnlich wie Alina Buga verfolgte auch Peter Dorn in manchen seiner Arbeiten einen konzeptuellen Ansatz. So geht das Plakatmotiv der Ausstellung „Hier und Jetzt“, die Collage „7-7x7“ mit 49 Farbkreisen aus Papier, auf eine Installation mit Farbmalkästen von 2019 zurück. Damals reihte er 44 handelsübliche Malkästen nebeneinander, bei jedem davon hatte er zuvor die zwölf runden Farbtöpfchen anders angeordnet. Die Arbeit nannte er „12!“ – in der Mathematik die Funktion, die die Menge von Kombinationsmöglichkeiten für eine bestimmte Anzahl an Elementen angibt – in diesem Fall wären es mehr als 479 Millionen. Dorn deutete also mit seiner vermeintlichen Spielerei die unvorstellbare Zahl möglicher Varianten an.
Die gezeigten Werke der vier Künstlerinnen und Künstler könnten kaum unterschiedlicher sein. Doch die Abwechslung regt an, sich immer wieder einzudenken. Zugleich lädt die Gegenüberstellung ein, zu vergleichen und Ähnlichkeiten und Verbindungen zu suchen. Eine kleine Anzahl an Arbeiten, die Michael Bry, Peter Dorn und Annette Lucks als Jahresgaben für die Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie e.V. geschaffen haben, kann man zu Gunsten des Freundeskreises erwerben. Darunter befinden sich auch Exemplare aus Dorns Serie mit Farbpunkten unter dem Titel „4x4“ – jede dieser Collagen ist einzigartig mit einer anderen Zusammenstellung der Farben. Die Ausstellung „Hier und Jetzt“ ist noch bis Sonntag, 27. April, im Kunstforum Ostdeutsche Galerie zu sehen. An Ostermontag, 21. April, ist das Museum von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bedankt sich bei den Zuwendungsgebern, Sponsoren und Partnern der Ausstellung:
- Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
- Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
- Stadt Regensburg
Kulturpartner Bayern 2
PRESSEBILDER
Das Bildmaterial darf ausschließlich für die Berichterstattung über die Ausstellung „Hier und Jetzt“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg genutzt werden. Die Pressebilder stehen während der Laufzeit der Ausstellung vom 1. März bis 27. April 2025 kostenfrei zur Verfügung, sowie drei Monate vor Beginn und sechs Wochen nach Ausstellungsende. Die Bildunterschrift soll komplett dargestellt werden inkl. Copyrightvermerk und Fotograf. Die Nutzung der Abbildungen für Social Media ist ohne Genehmigung nicht zulässig und zudem grundsätzlich kostenpflichtig. Über die gebührenfreie Verwendung der Abbildungen von Künstlerinnen und Künstlern, deren Urheberrechte von der VG Bild-Kunst verwaltet werden, informieren Sie sich bitte zusätzlich unter: http://www.bildkunst.de/vg-bild-kunst/tarife.html bzw. unter info@bildkunst.de.



