Es passt alles: Blattmaße, Papierqualität und vor allem das Motiv – die Erschaffung Evas, gezeichnet mit Bleistift. Unten rechts befindet sich der Stempel „ATELIER LOVIS CORINTH“. Als Dr. Sebastian Schmidt die Zeichnung im Kunsthandel entdeckt, ist sich der Leiter der Grafischen Sammlung am Kunstforum Ostdeutsche Galerie sicher: Es muss eine der fehlenden Seiten aus Corinths Skizzenbuch X sein. Wie das Buch war wohl auch das Blatt zwischenzeitlich im Besitz von Thomas Corinth, der in den 1980er Jahren den genannten Stempel nutzte, um Objekte aus dem Nachlass seines Vaters zu kennzeichnen. Anfang Dezember 2025 konnte das Blatt für die Grafische Sammlung des Museums angekauft werden.
Im KOG befinden sich insgesamt zwölf Skizzenbücher von Lovis Corinth und ein von ihm zusammengestelltes Album mit eingeklebten Zeichnungen. Anlässlich der Ausstellung „Lovis Corinth – Bildrausch“ wurden diese erstmals eingehend untersucht und erschlossen. Eindrucksvoll veranschaulichen sie, wie der Künstler seine Motive suchte, fand und sie so manches Mal zur Kompositionsstudie als Vorlage für eines seiner Gemälde ausarbeitete. 50 Jahre lang begleiteten ihn die Bücher von seinen Anfängen als Student in den 1870er-Jahren bis Anfang der 1920er-Jahre.
Das Skizzenbuch X hatte Lovis Corinth in den Jahren 1909 bis 1912 in Gebrauch. Die Motive reichen von harmonischen Landschaftsstudien bis hin zu aufgewühlten Szenen mit Menschen und Tieren. Viele der Darstellungen beziehen sich auf die biblische Geschichte rund um das Paradies. Auch das neu erworbene Blatt fügt sich in diesen Zusammenhang: Es zeigt, wie Eva aus Adams Seite ersteht. Die Beschäftigung mit den Themen Schöpfung, Schuld und Strafe flankiert ein einschneidendes Ereignis in Corinths Leben: Am 19. Dezember 1911 erlitt er einen Schlaganfall.
Im Rahmen der Vorbereitung des Bestandskatalogs der Skizzenbücher entdeckte Dr. Sebastian Schmidt im Skizzenbuch X erstaunliche Hinweise auf die Einschränkungen, mit denen der Künstler danach zu kämpfen hatte. Ebenso ist anzunehmen, dass die intensive Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Krise erfolgte. Über seine Erkenntnisse berichtet der Co-Kurator der Ausstellung bei seiner Führung am Freitag, 2. Januar um 15 Uhr. Neben dem Skizzenbuch X wird es um weitere Bücher aus Corinths Spätwerk gehen, darunter das berühmte Walchenseeskizzenbuch. Dieses ist als eine Art Tagebuch der glücklichen Familienferienzeit in der winterlichen Voralpenlandschaft zum Jahreswechsel 1922/1923 entstanden. Das neu erworbene Blatt ist bereits in der Ausstellung zu sehen.
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